Göttliche Unordnung
Ein Unbekannter kommt nach dem Dreißigjährigen Krieg ins Dorf, um sein Erbe anzutreten: ein halb eingefallenes Bauernhaus, ein Stück Land mit Acker und Wald. Der schmächtige Mann zeigt seine Papiere, erklärt knapp, warum er woanders aufgewachsen ist als sein ferner Verwandter und kaut auf einer Gewehrkugel herum, die er um den Hals trägt. Diese Kugel, erzählt er den misstrauischen Dörflern und zeigt auf seine schwer vernarbte rechte Wange, habe ihn im Krieg fast den Kopf gekostet.
Sandra Hüller spielt diesen zähen Veteran, und wenn man ihr kunstvoll von der Maske entstelltes Gesicht nicht so gut kennen würde, hätte man ihren Soldaten womöglich wirklich für einen Kerl gehalten. Dabei beschränkt sie sich schauspielerisch auf ein wohlüberlegtes Minimum: Kein Verstellen der Stimme, nur ruhiges, klares Reden. Keine übertriebenen Gesten, bloß eine leichte Schwere im Gang. Auf der diesjährigen Berlinale wurde dieses Understatement mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.
Auf kaum mehr als einer Lichtung im südöstlichen Harz hat der österreichische Regisseur und einstige Casting-Direktor Markus Schleinzer mit «Rose» seinen dritten Spielfilm gedreht. Sein Drehbuch ist inspiriert von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2026
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Eva Behrendt
Die aus Tirol stammende Dramatikerin Lisa Wentz, Jahrgang 1995, schreibt in der Tradition von Marieluise Fleißer oder Felix Mit -terer kritische Heimatstücke, die aus der Zeit gefallen sind. Dass sie gut ankommen, ist womöglich dem Manufactum-Effekt zuzuschreiben: Es gibt sie noch, die guten Dramen!
Zu den Förderern der Autorin gehört der Regisseur David Bösch; er...
– bürgerlicher Name Volkhart Armin – war Maler, Fotograf, Choreograf, Performer, Tanztheaterleiter und manches mehr. Der systematische Gesamtkunstwerker hat einige der radikalsten und konsequentesten Grenzüberschreitungen zwischen den Künsten der letzten 50 Jahre entworfen, wobei Grenzüberscheitung auch nicht das richtige Wort ist, weil er sich um Grenzen ohnehin...
Alle drei Jahre wechselt die Leitung des Augsburger Brechtfestivals. Der Rhythmus, mit dem dann frische künstlerische Energie und kuratorische Impulse in die Stadt gepumpt werden, hat sich bewährt, und auch, dass vom Namenspatron eher die dialek -tische Reflexion über Gesellschaft und soziale Gerechtigkeit mit einfließen (was nicht heißt, dass Brecht überhaupt...
