Göttliche Unordnung

Sandra Hüller spielt in Markus Schleinzers Film «Rose» eine Frau, die sich als Mann ausgibt – und damit an den Konventionen und Überzeugungen des 17. Jahrhunderts rüttelt

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Ein Unbekannter kommt nach dem Dreißigjährigen Krieg ins Dorf, um sein Erbe anzutreten: ein halb eingefallenes Bauernhaus, ein Stück Land mit Acker und Wald. Der schmächtige Mann zeigt seine Papiere, erklärt knapp, warum er woanders aufgewachsen ist als sein ferner Verwandter und kaut auf einer Gewehrkugel herum, die er um den Hals trägt. Diese Kugel, erzählt er den misstrauischen Dörflern und zeigt auf seine schwer vernarbte rechte Wange, habe ihn im Krieg fast den Kopf gekostet.

Sandra Hüller spielt diesen zähen Veteran, und wenn man ihr kunstvoll von der Maske entstelltes Gesicht nicht so gut kennen würde, hätte man ihren Soldaten womöglich wirklich für einen Kerl gehalten. Dabei beschränkt sie sich schauspielerisch auf ein wohlüberlegtes Minimum: Kein Verstellen der Stimme, nur ruhiges, klares Reden. Keine übertriebenen Gesten, bloß eine leichte Schwere im Gang. Auf der diesjährigen Berlinale wurde dieses Understatement mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Auf kaum mehr als einer Lichtung im südöstlichen Harz hat der österreichische Regisseur und einstige Casting-Direktor Markus Schleinzer mit «Rose» seinen dritten Spielfilm gedreht. Sein Drehbuch ist inspiriert von ...

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Theater heute April 2026
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Eva Behrendt

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