Schönheitsinflation
Will der Mensch das wirklich? Einen aufgehübschten, ewig jungen KI-Avatar für sich arbeiten lassen und sich dann selbst zu Tode langweilen? Und was ist Schönheit schon wert, wenn das «Pretty Privilege» – das Privileg, das normschönen Menschen das Leben einfacher zu machen scheint – auf alle Menschen übergeht? Will der Mensch in der durchschnittsschönen Masse untergehen? Solche Fragen werden derzeit in deutschen Theatern gerne in Gestalt von Dys -topien behandelt.
So ist die Welt, die Wilke Weermann als Texter und Regisseur von «Pretty Privilege» im Kammertheater des Schauspiels Stuttgart auf die Bühne gebracht hat, eben à la mode eine düstere, unheimliche, eklige.
Weerman hat sich für sein Stück an Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray» bedient, Figuren und Motive daraus entnommen, sie in die nahe Zukunft geholt und eine poppige, aufgedrehte Gruselkomödie daraus gemacht. Im Roman lässt der superattraktive Dorian ja seinen Alterungsprozess auf ein Objekt, ein Gemälde, übertragen. Weermann hat diese Idee umgedreht: Das Objekt, ein Avatar, bleibt jung, das Origi -nal altert. Und er packt in sein Stück gefühlt alle derzeitigen medialen Themen-Hypes: Selbstoptimierung, ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Verena Großkreutz
Jede irdische Macht ist Gewalt über Menschen, und die Zeit wird kommen, da es keine Cäsaren mehr geben wird. Der Mensch tritt ein ins Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit, wo keine Macht mehr vonnöten sein wird.» Diese Prophezeiung trifft in Michail Bulgakows fantastisch verschachteltem Literaturmärchen «Der Meister und Margarita» ein gewisser Jeschua Ha-Nozri, in...
Millionendorf, Isar-Athen, Schicki-Micki-Weltstadt mit Herz, aber auch einst «Hauptstadt der Bewegung» und immer wieder Schauplatz rechtsterroristischer Anschläge – kaum eine Großstadt kokettiert so sehr mit ihrer komplizierten Vergangenheit und der Hass-Liebe zu sich selbst und macht sich dabei auch gern mal ein bisschen wichtiger, als sie von außen betrachtet...
Mich interessiert der Streit.» Das hatte Matthias Lilienthal bei der Antrittspressekonferenz von Sonja Anders im Thalia Theater Hamburg gesagt. Im April 2025 hatte ihn die neue Intendantin als Leiter der Lessingtage vorgestellt. Ihn, der unter anderem viele Jahre Chefdramaturg an der Berliner Volksbühne war, in den Nuller Jahren das Berliner Freie-Szene-Haus HAU...
