Die Kraft der Familie
Ausgerechnet eine TV-Serie (wenn auch nicht die schlechteste!) inspirierte Noah Haidle 2008 zu einem wahren Mammutprojekt: «Ich sah die Fernsehserie ‹24› und wollte so etwas auf die Bühne bringen. Heraus kam ein Zyklus von Stücken, den ich ‹Local Time› nannte», sagte Haidle. Zwölf jeweils zweistündige, thematisch lose miteinander verbundene Zweiakter sollten 24 Stunden im Leben einer Stadt in Echtzeit nachzeichnen. Zunächst drei abendfüllende Stücke wurden damals am Goodman Theatre in Chicago in szenischen Lesungen aufgeführt.
Aber dann kam dem derzeit auf deutschen Theaterbühnen so gefragten Autor sein Erfolg in die Quere: Er begann, Drehbücher für Hollywood zu schreiben, die u. a. mit den Oscar-Preisträgern Al Pacino und Christopher Walken verfilmt wurden, und «Local Time Chicago» blieb (vorerst) unvollendet. Doch da vor allem die deutschen Theatermacher nicht genug bekommen können von Haidles Bühnenwelten, in denen selbst unspektakuläre Einfamilienhäuser, chinesische Schnellimbisse und schlichte Einbauküchen zu surreal-poetischen Orten oder gar apokalyptischen Landschaften werden, von seinen naiven, staunenden, sehnsüchtigen Figuren und seinem geistreichen, zuweilen ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 177
von Vera Ring
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