Die Identitätsmaschine eines Alpenlandes
Der Skisport ist eine Leitkultur Österreichs, der Skiverband ein Machtfaktor. Er muss sich seit einem Jahr immer neuen Vorwürfen in Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt stellen. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, ein Patriarch und Unternehmer alter Schule, wird nicht umhin kommen, das Machtsystem seines Verbandes an die neuen Zeiten anzupassen. Der Winter kommt, und niemand weiß so gut mit der Kälte umzugehen wie der Österreichische Skiverband ÖSV. Ende Oktober entließ Schröcksnadel einen Trainer, der vor Jahren in eine Gruppenvergewaltigung verwickelt gewesen sein soll.
Per Presseaussendung ließ er wissen: «Es gibt Vorfälle, die mögen juristisch verjähren, aber nicht moralisch. Wir erwarten von allen Funktionären und Trainern einen tadellosen Leumund. Alle ÖSV-Mitarbeiter verpflichten sich zu respektvollem Umgang, Achtung der persönlichen Freiheit und wertschätzendem Verhalten.»
Das Bemerkenswerte an dieser Stellungnahme ist ihre schiere Existenz. Ein ÖSV-Präsident findet es unumgänglich festzuhalten, dass Verbandstrainer sich anständig verhalten müssen. Das Selbstverständliche ist das Anzumahnende.
Der Fall Nicola Werdenigg und andere
Diese Geschichte begann im November ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir uns totgesiegt.» Diesen Satz möchte der Historiker Philipp Blom «gerade den linken, liberalen Intellektuellen» zur Eröffnung der Intendanz Johan Simons ins Stammbuch schreiben: Das Bewusstsein, aus einer Position der Macht und der Privilegien zu sprechen, zu lehren, politische Kunst zu machen, war in der Tat lange Zeit nicht...
Donald Trump hat auch sein Gutes. Ohne ihn als Inspirationsquelle hätte Stephen Greenblatt, wie er im Nachwort bekundet, nie sein neues Buch geschrieben. «Der Tyrann», eine «Machtkunde für das 21. Jahrhundert» ist ein Close Reading von Shakespeares Macht&Herrscher-Stücken, den Königsdramen und Tragödien der «Rosenkriege», den Usurpatoren-Biografien von Macbeth und...
Das Schauspiel Stuttgart startet neu nach Armin Petras’ vorzeitigem Abgang: Burkhard Kosminski verspricht, dass es rundgehen werde – womit nicht nur die hakelnde Drehbühne gemeint ist. In der ersten Premierenrunde werden u.a. Wajdi Mouawads «Die Vögel» und Clemens Setz’ «Die Abweichungen» ur- und erstaufgeführt.
Mit «Dantons Tod» in Burkina Faso: Das Schauspiel...
