Die Früchte des Watschenbaums
Die meistdiskutierte Produktion dieser Wiener Festwochen fand dann gar nicht statt. Am 7. Juni war im Hotel Intercontinental ein von Intendant Milo Rau moderiertes Gespräch zwischen dem US-amerikanischen Tech-Unternehmer und Investor Peter Thiel und dem österreichischen Theologen Wolfgang Palaver angesetzt, es wurde aber kurzfristig abgesagt.
Der Paypal-Mitgründer und Trump-Unterstützer Thiel hält Demokratie für überschätzt, marktferne Organisationen wie die Uno oder eine Aktivistin wie Greta Thunberg sind für den ultrareligiösen Milliardär Erscheinungsformen des Antichrist. Genau das machte ihn für Rau interessant, liefen die Festwochen 2026 doch unter dem Motto «Republic of Gods». Als der Schweizer Regisseur vor zwei Jahren seine Intendanz antrat, erklärte er die Festwochen zur «Freien Republik Wien», einer Art idealem Staat im Staat mit eigener Verfas -sung («Wiener Erklärung»), eigener Hymne («Steht auf, steht auf») und einem 80-köpfigen Gremium, das die Interessen des Publikums vertritt («Rat der Republik»). Das Konzept wird jedes Jahr leicht adaptiert, im Vorjahr firmierte die Freie Republik als «Republic of Love», und diesmal eben als «Republic of Gods» (obwohl ...
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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Festival, Seite 32
von Wolfgang Kralicek
Wegen ihrer speziellen Vermischung von Realität und Kunst besitzen Theaterprojekte im öffentlichen Raum eine Menge Überraschungspotenzial. Da laufen verdutzte Menschen durchs Inszenierte – bloß schnell raus aus der befremdlichen Situation, in die man unfreiwillig geraten ist. Das Publikum ist Voyeur.
Solche Gefühle kamen zunächst auch beim jüngsten Projekt des...
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Gefühle dürfen sein, sind ohnehin da und lassen sich nur in begrenztem Maß beeinflussen. Lüste und Ängste sind die treibenden und hemmenden Kräfte des Lebens, die für Bewegung sorgen, dafür, dass was passiert. Was aber, wenn ein Wunsch auf ein Verbrechen abzielt? Wenn die Erfüllung des eigenen Begehrens die Zerstörung eines anderen bedeutet? Ist die Kunst, sind...
