Die Erlkönigin

Laudatio zur Verleihung des Theaterpreises Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung an Amelie Deuflhard – Kuratorin, Direktorin, Netzwerkerin, Gründerin, Finanzierungserfinderin u.v.a.

Theater heute - Logo

Eine Zumutung

Es war an einem warmen Sommerabend, und die Lage war aussichtslos. Ich steckte fest. Mitten in der zweitgrößten Halle Kampnagels (…), und ich dachte: Amelie, was mutet ihr uns zu mit diesem Gastpiel der Burg? Knapp zwei Stunden lang saß ich da, dachte über ungeschriebene Artikel, unkorrigierte Bachelorarbeiten und unbeantwortete Mails nach, und dann, ganz allmählich, passierte es, je länger es dauerte, je mehr.

Sie kriegten mich, ich ging mit, ich staunte, und während um mich herum die Reihen leerer wurden und ich mit Fremdscham die Gehenden beobachtete, stieg meine Bewunderung: Für das Festival, für die Dramaturgie, für Matthias von Hartz, für Amelie. 

Vor allem aber für das Nature Theatre of Oklahoma, das mich mit «Life and Times 1», der ersten Arbeit, die ich von der Gruppe zu sehen bekam, an diesem Abend und seither immer neu für sich gewonnen hatte: Was für eine kluge Lösung der unmöglichen Aufgabe, am Ort der Uraufführung von «Cosi fan tutte», am Wiener Burgtheater, eine Oper auf die Bühne zu bringen. Ein 16-stündiges Telefonat über die 32 Jahre eines sehr durchschnittlichen bürgerlichen amerikanischen Lebens, mit durchweg etwas eigen anmutenden Performer:innen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 7 2022
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Nikolaus Müller-Schöll

Weitere Beiträge
Sweet Dreams Are Made Of This

Sivan Ben Yishai erzählt. Wie die Autorin sich das kollektiv betriebene Café «k-fetisch» als zweites Neuköllner Wohnzimmer ausgesucht hätte, wie die Räume zeitweilig geschlossen worden wären aufgrund von Vorwürfen gegen sexistisches Verhalten von Mit -arbeitern, wie das Kollektiv daraufhin die Vorwürfe und den internen Klärungsprozess in einem Newsletter öffentlich...

im memoriam Klaus Pierwoß

1942 - 2022

Wenn es das Bremer Theater als gesicherten Vier-Sparten-Betrieb heute noch gibt, hat das sicher viel mit Klaus Pierwoß zu tun. In seiner Zeit als dortiger Generalintendant von 1994 bis 2007 hat er das Haus vor der Insolvenz gerettet, mit insgesamt neun Kultursenatoren konstruktiv gestritten, hat sich ins Werder-Trikot gestürzt und mit Otto Rehhagel das...

Überraschend unterhaltsam

Schon bemerkenswert: Gut 180 Jahre lang kümmert sich mehr oder weniger niemand hierzulande um diesen Text. Und kaum behandelt ihn die «FAZ» in der Reihe «Spielplan-Änderung!» als eines der «Stücke, die das Theater braucht», da setzt geradezu ein Wettrennen ein: 2019 erschien besagter Zeitungsbericht, im März 2021 sollte es in Karlsruhe die deutsche Erstaufführung...