Die Dschungelkonferenz

Dramen der Ungleichheit in Indien – Diskussionen, Geschichten und Visionen aus einem Land im Umbruch, das sein Theaterverständnis neu definiert und sich über «Chamak» aufregt

Theater heute - Logo

Sich über Realitäten indischer Theaterpraxis heute aus­tauschen und Visionen für die Zukunft entwickeln – darum ging es im süd­indischen Dschungel. In der Theaterschule Ninasam, die in einem winzigen Dorf liegt, trafen sich fast 150 Kritiker, Journalisten und Theaterschaffende zum «Not the Drama Seminar». Alle waren mit erheblichem Reiseaufwand hierher gekommen, die meisten mit dem Nachtzug von Bangalore und anschließender zweistündiger holpriger Bustour durch Dschungel und Felder.



Ninasam, geleitet vom hauptberuflichen Betelnussfarmer KV Akshara, liegt in einem pittoresken lehmhüttigen Nirgendwo. Während die Betelnuss wächst, die hier alle genüßlich kauen, hat er Zeit zum Theatermachen und Ausbilden. Die Institution mit ihren traditionellen Gebäuden aus Lehm und Holz – zwei Bühnen, einige Proberäume und spartanische Schlafsäle – ist nicht nur logistisch ein bewusst gewählter Ort für die sechstägige Konferenz. Als Verkörperung der indischen «grass roots»-Theaterbewegung ist Ninasam die florierende dörfliche Antithese zur hoch subventionierten und heftig umstrittenen National School of Drama in der Hauptstadt Delhi. Das «Not the Drama Seminar» findet natürlich «not in Delhi» statt. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2008
Rubrik: Ausland Indien, Seite 34
von Sophia Stepf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Klinische Visionen, offene Spielwelten

In einer Kleinstadt an der ungarisch-rumänischen Grenze ein zweiwöchiges, international besetztes Shakespeare-Festival? Das braucht Wagemut. Die aus Ziegelsteinen im 15. Jahrhundert errichtete Burg von Gyula steht in der flachen Landschaft wie Roman Polanskis «Mac­beth»-Schloss und beherbergt seit Jahrzehnten schon ein Theater. Das Städtchen lockt mit seiner...

Liebe, Tod, Konzepte und 76 Männer

Eine Kleinfamilie aus dem süddeutschen Raum steht in der Pause vor dem Landestheater und hält einen kleinen Familienrat ab. Mama will heim, Papa mag noch bleiben, und die etwa 20-jährige Tochter im Salondirndl klagt über Langeweile. Da gibt ihr die Mutter einen Ratschlag, den man in Marmor meißeln und in allen Theaterfoyers anbringen sollte: «Man muss wirklich...

Wenn der Grenzer zwei Mal klingelt

Wäre das ein Film noir und kein Stück von Karl Schönherr, man würde von einer Femme fatale sprechen. Aber damals in Tirol hat man eine Frau, die mit den Männern spielt, halt noch Weibsteufel genannt. In einem tief im Wald gelegenen Haus lebt ein Schmuggler, der seine Geschäfte durch einen aufmerksamen jungen Grenzjäger bedroht sieht. Die Frau des Schleichhändlers...