Nach Meyerhold!
Zu Tisch! Nach Michael Thalheimer und Tilmann Köhler (s. TH 05/08 und 07/08) stellt auch Thomas Ostermeier seinen «Hamlet» vor. Der dänische Prinz mit dem Entscheidungsproblem – Gerechtigkeit für den Vater oder Nachsicht für die ehebrecherische Mutter – wird in den engsten Familienkreis verwiesen. Sechs Schauspieler teilen sich die Rollen und verhandeln das Stück an Jan Pappelbaums pathetisch erleuchteter Bankett-Tafel, die zum Szenenwechsel eindrucksvoll über ein Bühnen-Meer aus Schlamm fahren kann.
Die wuchtige Eröffnung am offenen Grab zu strömendem Duschregen zitiert Stummfilm-Slapstick und Mafia-Atmosphäre, doch zurück am Tisch regiert schnell mittelständische Bierzeltstimmung beim Betriebsfest. Der neue Chef Claudius (Urs Jucker) hat mit Frau und Firma den Deal seines Lebens gemacht und greift freudig zum Dosenbier. Der leicht beschränkte, aber rücksichtslos loyale Prokurist Polonius (Robert Beyer) donnert provinzautoritär seine Tochter zusammen, die sich romantische Gedanken macht, und schickt den durchtriebenen Schlingel Laertes (Stefan Stern) zum Studieren ins Ausland.
Judith Rosmair ist allein für die Damenparts zuständig und zeigt zwei Entwicklungsphasen einer ...
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Sich über Realitäten indischer Theaterpraxis heute austauschen und Visionen für die Zukunft entwickeln – darum ging es im südindischen Dschungel. In der Theaterschule Ninasam, die in einem winzigen Dorf liegt, trafen sich fast 150 Kritiker, Journalisten und Theaterschaffende zum «Not the Drama Seminar». Alle waren mit erheblichem Reiseaufwand hierher gekommen,...
Auf den ersten Blick: Das gute Zimmermannshandwerk soll es also richten. Johan Simons hat seine «Vergessene Straße» aus Sperrholz quer in die Jahrhunderthalle Bochum gebaut, gut zwanzig Meter lang. Betont karge Häuserfronten, die teils wie Schiebetüren zu handhaben sind, bieten sich den Publikumstribünen zu beiden Seiten dar. Nach oben schließt die Straße durch...
Eine Kleinfamilie aus dem süddeutschen Raum steht in der Pause vor dem Landestheater und hält einen kleinen Familienrat ab. Mama will heim, Papa mag noch bleiben, und die etwa 20-jährige Tochter im Salondirndl klagt über Langeweile. Da gibt ihr die Mutter einen Ratschlag, den man in Marmor meißeln und in allen Theaterfoyers anbringen sollte: «Man muss wirklich...
