Die Dialektik der kulturellen Aneignung

Kulturelle Zeichen des globalen Pop: Constanza Macras' Doku-Tanztheater «The West» an der Berliner Volksbühne

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Es gibt Stücke, die erzählen vom Erwachsenwerden aus der Perspektive von Kindern. Auf einer Videoprojektion ist ein junges Mädchen im Indianerkostüm zu sehen, eine Aufnahme des israelischen Fernsehens. Es verziert den deutschen Ausdruckstanz des letzten Jahrhunderts mit rituellen Bewegungen. Wir sehen an der Berliner Volksbühne: deutsche Tanzgeschichte als exotisches Event. Tanzkenner wären stolz darauf. 

Wenn hingegen Indianer solch westliche Kinder im Outfit ihrer Vorväter sehen, seien sie deutlich weniger amüsiert. Sagt man.

Constanza Macras’ jüngstes Werk «The West» scheint an dieser These zu zweifeln. Schützt man Indianer dadurch, indem man sie und ihre Tradition als unantastbar betrachtet? Die Urheberin dieser «Tanzdoku», wie die argentinische Choreografin ihr Genre nennt, zeigt dem Publikum, dass man in der Schule des Lebens nur dann wächst, wenn man sich das Fremde aneignet. Kurkuma statt Kümmel. Yoga statt Turnen. Nur so wird das Fremde vertrauter. Für Kinder ist das Fremde noch fremder als für Erwachsene. Kinder müssen sich Fremdes aneignen. Es lauert überall, auf YouTube, im Cowboy- und Indianerspiel, in der eigenen Sexualität. Kinder sind die, die lernen, wie man die ...

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Theater heute April 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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