Die blonde Bombe
Journalisten haben böse Ausdrücke dafür, wenn einer, wie sie sagen, «die Tinte nicht halten kann», und das ist schon selbst einer dieser bösen Journalisten-Ausdrücke. Die Not der Verknappung kennen auch die darstellenden Künste. Am kürzesten ist das Prokrustesbett des Ausdrucks im Film, und das ist ein Grund, warum der Schauspieler Joachim Meyerhoff so gut wie nie dreht. Um in einem Wohnwagen auf seine Szene zu warten, sei er zu ungeduldig und zappelig, hat er einmal erzählt. «Ich kann nicht verstehen, wenn Kollegen davon schwärmen, dass man beim Drehen so wenig machen müsse.
Ich will nicht wenig spielen, ich will viel spielen.»
Wie viel er spielen will, das hat Joachim Meyerhoff in den vergangenen Jahren gründlich bewiesen, und man muss, wenn man daran zurückdenkt, unwillkürlich an eine Szene aus dem Buch denken, das er nun geschrieben hat. Der Roman handelt von seinem Jahr als Austauschschüler in Wyoming. Der 18-jährige Meyerhoff träumt davon, in die Basketball-Mannschaft seiner Highschool aufgenommen zu werden, und bringt es immerhin zum Einwechselspieler. Zurück im heimatlichen Schleswig versucht er als Trainer, eine Basketball-Auswahl nach amerikanischem Vorbild aus dem Boden ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Christopher Schmidt
Andreas aus Braunschweig hat 14 Jahre Musikwissenschaft studiert und ist dann nach Paris gegangen. Promovieren, sagt er. Inzwischen lebt er auf der Straße, kann aber trotzdem Verdis «Macht des Schicksals» nach Tonarten brillant analysieren und setzt zur melancholisch-düsteren Passage in e-Moll die erste oder auch schon fünfte Molle an. Dass der verpfuschte Begabte...
Natürlich könnte man jederzeit die Sinnfrage stellen: Wer braucht eine vierstündige
Dramatisierung von Falladas Wirtschaftskrisen-Panorama «Bauern, Bonzen und Bomben», wenn man in dieser Zeit schon 200 bis 300 Romanseiten lesen könnte? Wozu eine Bühnenbearbeitung dieses deutschen 30er Jahre Kleinstadt-Polit-Biotops, wenn sie doch nur ohne weitere Deutungsabsicht...
Wenn schon «Raum», wie Olafur Eliasson schreibt, «eine sich ständig verändernde Gleichzeitigkeit von bisherigen Geschichten» ist, was ist dann Theater? − Der Modellfall räumlicher Wirklichkeitswahrnehmung? Der diesjährige Show-Room der Freien Szene, das 100-Grad-Festival, steckte voller Raum-Metaphern. Dabei ist 100 Grad selbst ein Großraumexperiment, bei dem im...
