Aussenseitersieg
Andreas aus Braunschweig hat 14 Jahre Musikwissenschaft studiert und ist dann nach Paris gegangen. Promovieren, sagt er. Inzwischen lebt er auf der Straße, kann aber trotzdem Verdis «Macht des Schicksals» nach Tonarten brillant analysieren und setzt zur melancholisch-düsteren Passage in e-Moll die erste oder auch schon fünfte Molle an. Dass der verpfuschte Begabte noch so drauf ist, verdankt er einem Unbekannten, der ihm 5000 Euro zusteckte, die Andreas nach gelungenem Neustart in der Kirche Sainte-Marie des Batignolles der heiligen Thérèse stiften soll.
Das Geld ist bald aufgebraucht, und auch der versuchte Bußgang endet häufig genug in der Kneipe «Cello» gleich neben der Kirche. Dort schmeckt die Bierbrühe dem anspruchslosen Trinker, der längst weiß, dass sich der Teufelskreis geschlossen hat. Andreas hat ausgespielt und ist doch ein sympathischer Kerl, bei dem man nicht recht weiß, ob man ihn wegen fehlender Chancen bemitleiden oder wegen vertaner Möglichkeiten kritisieren soll. Als gebildeter Clochard spricht er zum Hörer immer wieder über die große Musik und also übers Leben.
Natürlich, das Geld zum Wenden des Schicksals ist im Wesentlichen ein Motiv aus
Joseph Roths ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: , Seite 62
von Thomas Irmer
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