Bei sich geblieben
Zu Beginn noch einmal einer dieser magischen Momente, die das Theater des Dieter Dorn in den 1980er Jahren (damals noch an den Münchner Kammerspielen) berühmt gemacht haben: Die leere Bühne, aufgerissen bis zur weißgetünchten Brandmauer, ein wenig Nebel über den Brettern, so dass einen prä-paradiesischen Augenblick lang an diesem wüsten Ort alles möglich scheint. Doch das, versteht sich, ist ein Trugschluss, denn das Dorn-Theater folgte seit jeher strengen, selbstgesetzten Regeln.
Am Anfang steht der Text, oft ungekürzt – und am Ende auch, dazwischen stets gediegenes Schauspielhandwerk und immer wieder auch große Schauspielkunst. Dazu gehören eine gute Portion kindliche Albernheit und pyrotechnische Knalleffekte, die einen bei Bedarf aus dem Tiefschlaf reißen können.
Zum Abschied hat sich der nach zehn Jahren abdankende Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels nun nicht etwa einen passenden Shakespeare ausgesucht – sein «König
Lear» von 1992 mit Rolf Boysen ist noch immer legendär und «Der Sturm» von 1994 mit Thomas Holtzmann als Prospero nach wie vor eine prägnante Erinnerung –, sondern ausgerechnet Kleists Ritterschauspiel «Das Käthchen von Heilbronn» mit Femegericht, ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Silvia Stammen
Um den Künstler herum, um die Kunst herum. Im Gemenge der Berufe, die zwar nah dran sind oder gar mittendrin, aber nicht selbst künstlerisch, nicht unmittelbar selbst künstlerisch, hat der Kurator das jüngste und unklarste Profil. In der Bildenden Kunst, wo er innerhalb kurzer Zeit zum Star avancierte, steht er zwar im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung, die er...
Journalisten haben böse Ausdrücke dafür, wenn einer, wie sie sagen, «die Tinte nicht halten kann», und das ist schon selbst einer dieser bösen Journalisten-Ausdrücke. Die Not der Verknappung kennen auch die darstellenden Künste. Am kürzesten ist das Prokrustesbett des Ausdrucks im Film, und das ist ein Grund, warum der Schauspieler Joachim Meyerhoff so gut wie nie...
Heutigen Abiturienten das Paradebeispiel der deutschen Klassik, Goethes «Iphigenie», nahezubringen, ist gewiss kein leichtes Unterfangen. Denn die mythische Vorzeit durch das Menschenbild der Weimarer Klassik betrachtet, fördert viel Erhabenes, aber auch allerhand Blutleeres zutage – Ideen statt Individuen, gedrechselte Sätze und prüde Litanei. Der frisch vom...
