Der verwandte Migrant
Eddie Carbone gehört zur italienischstämmigen Community der Hafenarbeiter in Brooklyn, könnte aber auch im Duisburger Rheinhafen arbeiten. Dass Arthur Miller «A view from the bridge» in den 1950er Jahren geschrieben hat und einen bodenständigen Hafenarbeiter ins Zentrum einer Tragödie mit migrantischem Hintergrund stellt, passt aber auch deshalb in die aktuelle amerikanische wie bundesrepublika -nische Realität, weil er mittels einer New Yorker Familie archetypische Verhaltensweisen einer Gemeinschaft verhandelt, deren Welt in eine xenophobe Schieflage gerät.
Zwei Fremde tauchen in Eddies Familie auf und stellen anscheinend eine Bedrohung dar. Besonders pikant an der Sache: Sie sind enge Verwandte und versuchen denselben Weg des sozialen Aufstiegs einzuschlagen wie Eddie einige Jahrzehnte zuvor, als er die verarmte Stiefelsohle Italiens hinter sich ließ. Dass die Cousins der Ehefrau vorübergehend bei den Carbones logieren, könnte gefährlich für die Kernfamilie werden, wenn die New Yorker Im -migrationsbehörde Wind von den illegalen Arbeitskräften bekäme. Eddie will die Seinen schützen, und es ist nachvollziehbar, dass er ein aggressives Territorialverhalten entwickelt. Dass er von ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Jürgen Berger
BERLIN, GEMÄLDEGALERIE
bis 22.6., Von Odessa nach Berlin Europäische Malerei des 16. bis 19. Jahrhunderts
Umfassende Sonderausstellung mit 60 Gemälden aus dem Museum für Westliche und Östliche Kunst in Odessa. Die Werke wurden vor dem Krieg in Sicherheit gebracht und treten in Berlin in Dialog mit Gemälden der Berliner Sammlungen.
BERLIN, GROPIUS BAU
ab 11.4., Yoko...
Kleiner Weltuntergang gefällig? Bitte sehr! Gerade nimmt ein netter Mega -sturm Kurs auf Westeuropa, der alles ratzekahl wegfegen wird bis unters Fundament, Mensch und Tier eingeschlossen. Soweit die Annahme in Theresia Walsers «Die Erwartung», die ausgewähltes Mittelstandspersonal beim letzten Packen und Flüchten ausführlich zu Wort kommen lässt.
Von oben nach...
Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen», so lautete das anfängliche Motto der Münchner Kammerspiele unter der Intendantin Barbara Mundel (die auch die Geschichte ihres Hauses und die Schick -sale der vielen von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Mitarbeiter nicht ruhen lässt). Inzwischen jedoch überwiegt das Gefühl, dass die Wirklichkeit uns nicht in...
