Der verwandte Migrant
Eddie Carbone gehört zur italienischstämmigen Community der Hafenarbeiter in Brooklyn, könnte aber auch im Duisburger Rheinhafen arbeiten. Dass Arthur Miller «A view from the bridge» in den 1950er Jahren geschrieben hat und einen bodenständigen Hafenarbeiter ins Zentrum einer Tragödie mit migrantischem Hintergrund stellt, passt aber auch deshalb in die aktuelle amerikanische wie bundesrepublika -nische Realität, weil er mittels einer New Yorker Familie archetypische Verhaltensweisen einer Gemeinschaft verhandelt, deren Welt in eine xenophobe Schieflage gerät.
Zwei Fremde tauchen in Eddies Familie auf und stellen anscheinend eine Bedrohung dar. Besonders pikant an der Sache: Sie sind enge Verwandte und versuchen denselben Weg des sozialen Aufstiegs einzuschlagen wie Eddie einige Jahrzehnte zuvor, als er die verarmte Stiefelsohle Italiens hinter sich ließ. Dass die Cousins der Ehefrau vorübergehend bei den Carbones logieren, könnte gefährlich für die Kernfamilie werden, wenn die New Yorker Im -migrationsbehörde Wind von den illegalen Arbeitskräften bekäme. Eddie will die Seinen schützen, und es ist nachvollziehbar, dass er ein aggressives Territorialverhalten entwickelt. Dass er von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2025
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Jürgen Berger
Inmitten des politischen Überbietungswettbewerbs um Grenzschließungen und Abschiebungen wird hierüber kaum noch gesprochen: die großen Herausforderungen für Migrant:innen in der Ankunftsgesellschaft. Daher kommt die Uraufführung von Thomas Deprycks Text «Unter euch. Je promène ma mélancolie parmi vous» am Theater und Orchester Heidelberg zur richtigen Stunde. Im...
Das Theater ist ein utopischer Ort. Gelangen wir also mit dem Theater zu Utopien und finden einen Ausweg aus den Katastrophen?
Das Theater wird uns sicher nicht aus der aktuellen politischen Situation und der Pandemie der Krisen heraushelfen. Wir müssen mit den Schlachten, die auf den politischen Bühnen der letzten Monate stattgefunden haben, einem Rechtsruck,...
Figuren
Hassan der Bruder
Shirin die Schwester
Omar, Murat, Freddie die Freunde
WIEN – HEUTE – ZWEITAUSENDUNDDREIUNDZWANZIG
SZENE 1!
DIE ERSTE NACHRICHT!
Ein dunkler Raum.
Irgendwo in Wien.
Klänge nahöstlicher Saiteninstrumente im Hintergrund.
Ein einziger Lichtkegel scheint
von der Decke auf
HASSAN
der denkt
und verarbeitet
der seziert
und sich therapiert
und
...
