Der Riss durch den Verstand

Ferdinand Schmalz schreibt Romanlyrik: «Mein Lieblingstier heißt Winter»

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Das ist ein Buch, das man eigentlich laut vorsingen müsste. Nur so würde man dem einzigartigen Klang seiner Sprache gerecht werden. Ein kleines Wunderwerk, freilich weniger aufgrund seiner etwas verworrenen Geschichte als wegen seiner durchgängigen Melodie, die sich einem kratzig einschmeichelt.

 

Ferdinand Schmalz, der gefeierte Bühnenautor, hat mit seinem ersten Roman «Mein Lieblingstier heißt Winter» endlich auch ein Stück Prosa geschaffen, das nachhallt, weil es so konsequent gegen festgeschriebene Satzbauregeln verstößt und den Leser mit einem Rhythmus belohnt, der allem widerspricht, was er gewöhnt ist. Am Ende ertappt man sich dabei, selbst so sprechen zu wollen, wie Schmalz schreibt. Weil es einfach viel schöner klingt als unser öder und logischer, eingetrichterter Alltagston: «Und ist sein Kopf zum Bersten voll von abgebrochenen Gedanken, fühlt sich grad an, als würd der Riss nicht nur hauchdünn, da in dem Schädelknochen von ihm drin, als würd der Riss, Bruch quer durch sein Hirn durchgehen, durch all die bruchstückhaften Überlegungen, Lücken der Erinnerung, krachend wie ein Gletscher, der bald kalbt, geht da der Riss durch den Verstand.» 

Man könnte sich solche Sätze auch ...

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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Bücher, Seite 66
von Bernd Noack

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