Der Meister der zwei Prozent
TH: Herr Lederer, nach 100 Tagen im Amt haben Sie einen Überblick über Ihr neues Aufgabenfeld. Was sind die Hauptbaustellen derzeit, und was macht Sie gerade am stolzesten?
Klaus Lederer: Es kommt mir schon vor wie 300 Tage. Wenn sich Wahlkämpfe und Regierungsbildung eine Weile hinziehen, sorgt das auch für einen gewissen Bearbeitungsstau.
Unser neues Ministerium, das sich jetzt aus dem Bereich Kultur, dem Bereich Denkmalschutz, dem Europareferat, der Zuständigkeit für Kirchen, Religionen und Weltanschauungen, dem Berliner Büro in Brüssel und dem Musicboard zusammensetzt, muss erst in die volle Arbeitsfähigkeit kommen. Wir mussten jetzt den Nachtragshaushalt und müssen die Vorbereitung des Doppelhaushalts erledigen – ja, es ging gleich richtig los!
Aber das konkret erfreulichste Ereignis war die Rettung des Theaters am Kudamm nach 15 Jahren Hängepartie in einer sehr verfahrenen Situation. Die Fehler begannen eigentlich schon in den 90er Jahren mit dem Verkauf des Grundstücks, gingen weiter mit der Aufgabe der Nutzungsbindung gegen Geld, setzten sich fort mit der nicht offen eingestandenen Tatsache, dass diese Bühnen eben keine Denkmäler sind, weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Kulturpolitik, Seite 54
von Eva Behrendt, Franz Wille.
Für einen angehenden Dramatiker entwarf der junge Brecht eine recht krude Sprachkritik. Man habe nicht seine eigenen Wörter, man wasche sie auch nicht wie die eigenen Wäsche: «Im Anfang war nicht das Wort. Das Wort ist am Ende. Es ist die Leiche des Dinges.» Das Wörterklauben hatte für den Schriftsteller scheinbar nur bedingten Reiz, mindestens genauso interessant...
Auf ihr Talent zum kritischen Hinterfragen der Gegenwart bilden sich zeitgenössische Theatermacher zu Recht etwas ein. Darüber nachdenken, wohin der Zeitgeist uns treibt, und warum, und ob wir dieses Wohin tatsächlich so gewollt haben – das ist ja auch eine vornehme Aufgabe. Vor diesem Hintergrund gute dramatische Geschichten zu erzählen, geht noch mal einen...
Wird ein Mensch als wilder Hund bezeichnet, ist das nicht wörtlich zu verstehen und meist eher respektvoll gemeint. Jene Menschen aber, die sich buchstäblich wie Hunde verhalten – Pfötchen geben, an den Baum pinkeln und so –, werden für verrückt erklärt. Nicht in Erwägung gezogen wird, dass es sich tatsächlich um Hunde in Menschengestalt handeln könnte. «Hundsch»...
