Der Meister der zwei Prozent

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer ist 100 Tage im Amt. Ein Gespräch über erste Erfolge, den Dercon-Komplex, die Offenlegung von Intendantengehältern, die ewig unterfinanzierte Freie Szene, Folgen der Gentrifizierung und das Anstoßen von gesellschaftlichen Debatten

TH: Herr Lederer, nach 100 Tagen im Amt haben Sie einen Überblick über Ihr neues Aufgabenfeld. Was sind die Hauptbaustellen derzeit, und was macht Sie gerade am stolzesten?

Klaus Lederer: Es kommt mir schon vor wie 300 Tage. Wenn sich Wahlkämpfe und Regierungsbildung eine Weile hinziehen, sorgt das auch für einen gewissen Bearbeitungsstau.

Unser neues Ministerium, das sich jetzt aus dem Bereich Kultur, dem Bereich Denkmalschutz, dem Europa­referat, der Zuständigkeit für Kirchen, Religionen und Weltanschauungen, dem Berliner Büro in Brüssel und dem Musicboard zusammensetzt, muss erst in die volle Arbeitsfähigkeit kommen. Wir mussten jetzt den Nachtragshaushalt und müssen die Vorbereitung des Doppelhaushalts erledigen – ja, es ging gleich richtig los!

Aber das konkret erfreulichste Ereignis war die Rettung des Theaters am Kudamm nach 15 Jahren Hängepartie in einer sehr verfahrenen Situation. Die Fehler begannen eigentlich schon in den 90er Jahren mit dem Verkauf des Grundstücks, gingen weiter mit der Aufgabe der Nutzungsbindung gegen Geld, setzten sich fort mit der nicht offen eingestandenen Tatsache, dass diese Bühnen eben keine Denkmäler sind, weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg ...

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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Kulturpolitik, Seite 54
von Eva Behrendt, Franz Wille.

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