Der Künstler und sein Apparat

Brechts «Radiotheorie» heute – und sein «lehrstück», zum 50. Todestag in einer Hörspielfassung von Frank-Patrick Steckel

Es war Walter Filz, Preisträger des 50. Hörspielpreises der Kriegsblinden, der 2001 in seiner Dankesrede den Vorstellungen seiner Vorgänger, was denn das Radio sei, nachging. Das Ergebnis war erschütternd. «Eine mechanische Ap­paratur» sei es, durch das man «eines Tages die Fähigkeit der Wahrnehmung differenzierter Töne» verlieren könnte (Heinz Oskar Wuttig, 1954).

Benno Meyer-Wehlack hatte 1958 zwar schon begriffen, dass das Radio nicht mechanisch funktioniert, aber wie das mit den «Wellen oder Strahlen oder was das für ein fantastisches Zeug ist, das die Töne einfach durch die Luft trägt» so genau funktioniert, war ihm auch nicht klar. Natürlich muss man nicht detailliert wissen, wie die Radioübertragung über amplituden- oder frequenzmodulierte Wellen (AM/FM) funktioniert. Aber zu wissen, warum bestimmte (Privat-)Radiosender immer so druckvoll rüberkommen und warum der Ton der Fernsehwerbung immer so viel lauter erscheint als der Film, den sie unterbricht – nämlich weil bestimmte Kompressions­verfahren eingesetzt werden –, kann zumindest nicht schaden.

Die Geschichte des Radios ist eine Geschichte von Missverständnissen und eine von vorsätzlicher Ignoranz – zumindest auf Seiten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2006
Rubrik: Medien/TV, Seite 88
von Jochen Meissner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Karacho bis zum Pausenstopp

Viel Lärm um Nichts» ist eine Komö­die, deren Titel ein Regisseur durch­aus ernst nehmen darf. Auch wenn hier Soldaten aus dem Krieg heimkehren, es Schurken und moralische Ansinnen gibt, auch wenn hier Stolz zu Demütigungen und Dummheit zum Erfolg führt, bleibt Shake­speares flottes Bühnenstück doch zu allererst ein Schlachtplan für Vergnüglichkeiten. Also macht...

Innen Tschechow, außen Johannes B. Kerner

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Talente, schon die Anfrage brachte mich in Verlegenheit. Was es denn bedeute, in diesem Land talentiert zu sein, ja, dachte ich, sehr interessantes Thema, aber wenn die mich für talentiert halten, dann muss ich mich, wenn ich zusage, ja auch selber für talentiert halten, öffentlich. Ich finde, so was macht man eigentlich...

Tragt endlich wieder Kittel!

Die große Peer-Gynt-Sause kurz vor den Sommerferien bot eine gute Ge­legenheit, mal wieder über den gigantischen Schrebergarten namens Berliner Freie Szene nachzudenken. Ist er in seiner enormen Größe (250 bis 300 kontinuierlich produzierende Gruppen) und Vielfalt (von der robusten Nutzpflanze über die neugezüchtete Rose bis hin zum düngenden Mist) nicht längst...