Geschichte von unten
Bei «Margot und Hannelore» war es ein vertracktes Wechselspiel um verlorene Identitäten auf der wackligen Grundlage einer kaum bewältigten und moralisch schwer kontaminierten Historie; bei «Wir im Finale» wurde dann schon das letzte noch auffindbare Quäntchen Selbstbewusstsein durch kollektives «Tooor»-Gebrülle hochgepuscht, und auf der La-Ola-Welle schwappte eine wie dusselig begeisterte wiedervereinigte Fangemeinde zu neuen Ufern; mit «Jung und unschuldig» nun, dem letzten Teil seiner deutschen Befindlichkeits-Trilogie, wollte der Autor Marc Becker auf dem Umweg über längst
vergessene schlüpfrige Vergangenheiten einen Schlüsselloch-Blick in eine nun möglichst bessere Welt wagen: «Wir wollen doch später mal eine schöne Zukunft besitzen», sagt eine der Figuren. Aber da ist der Bummelzug in die blühenden Landschaften auch schon wieder abgefahren. Denn bevor es mal endlich so richtig losgehen könnte mit diesem Volk, ist es bereits hoffnungslos überaltert, und selbst der einst so ruckartige «Hallo-Deutschland»-Schlusssatz wirkt nur noch wie eine zahnlos gelallte Wunschvorstellung: «Alles wird geil …»
Dabei ist es zunächst mal alles andere als leicht (und leider auch nur ...
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Die Räuber» sind vor allem auch der Seelenerguss eines Zwanzigjährigen im Kampf gegen die Überväter. Annette Pullen, 32, hat Schillers Sturm-und-Drang-Moritat vor allem als geradezu zeitgeistiges psychologisches Familiendrama gelesen, als Saga um Maximilian Moor, Patriarch im Maßanzug, und seine beiden Söhne Karl und Franz.
Frauen sind in dieser Welt, in...
Von Jovan Sterija Popovic (1806–1856) heißt es, er sei der serbische Nestroy. Seine bitter-ätzende Komödie «Die Patrioten» zeigt ein Häuflein untereinander zerstrittener Kleinbürger, von denen jeder den anderen für einen schlechten Patrioten hält, während es um Posten und Pfründe geht. Sterija muss nicht neu entdeckt werden, aber er hat gerade ein Doppeljubiläum...
Bochum, ich häng an dir.» Das geht immer noch tief rein ins Ruhr-Gemüt. Mit dem Grönemeyer-Song punktet jeder an der Königsallee in ehemals «4630 Bochum». Fünf Intendanzen ist es her, dass der Sänger des Liedes, das es da noch nicht gab, am Bochumer Schauspielhaus engagiert war. Drei Jahrzehnte später, an einem Abend im Mai 2006, steht ein anderer...
