1:0 für Beckett
Nachdem bereits im Vorfeld der WM deutsche Autoren scharenweise durchs bunt zusammengebastelte Fifa-Kulturprogramm geschleust worden waren – zumindest diejenigen, die sich nicht rechtzeitig durch ein kategorisches Nein aus der Schusslinie gebracht hatten –, war mit Überraschungen auf diesem Feld eigentlich nicht mehr zu rechnen.
Umso dankbarer ist man den Veranstaltern der Mülheimer Theatertage, Dichter und Dramatiker nicht ein weiteres Mal zu holprigen Hymnen auf König Fußball verdonnert, sondern umgekehrt die WM-Euphorie zum Anlass für ein Autorentreffen ganz anderer Art genommen zu haben: In Rekordzeit wurde aus allen 32 Teilnehmerländern jeweils ein literarisch qualifizierter Kandidat eingeladen, um nicht so sehr den Stolz seiner Nation, sondern in erster Linie das eigene Werk und gegebenenfalls eine persönliche Sicht auf die Theatersituation in seinem Land zu präsentieren.
Schon beim Eröffnungsdefilee mit Lieblingsmusikstücken offenbarten sich beiläufig die erstaunlichsten Nebenbegabungen: So übersetzt Andreu Carandell Gottschewsky aus Barce-lona nicht nur Ödön von Horváth und Thomas Bernhard ins Katalanische, sondern legt als gelernter Tänzer und Choreograf selbst in ...
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Gelegentlich schreibt Marianne Freidig Excel-Dialoge, als gehe es um Zahlenkolonnen in Bankkonten. Da ist dann alles, was szenische Plaudertaschen so von sich geben können, parallel gelistet, als habe der Buchhalter eines alles andere als herrschaftsfreien Diskurses statistisch erfasst, wer hier gerade wessen verbale Geltungsansprüche nicht respektiert. Wechselt...
Nichts fühlt sich blöder an in einem Kritikerleben, als wenn man gegen den Erfolg anschreibt. Dort entsetzt zu tun, wo viele andere entzückt sind. Quengeln, wenn die Quote stimmt. Man ist dann auf verlorenem Posten. Was soll man denn sagen, wenn einer in den ersten vier Monaten seiner Intendanz 23.000 Zuschauer mehr hatte als sein Vorgänger? Die Leute werden...
Es war Walter Filz, Preisträger des 50. Hörspielpreises der Kriegsblinden, der 2001 in seiner Dankesrede den Vorstellungen seiner Vorgänger, was denn das Radio sei, nachging. Das Ergebnis war erschütternd. «Eine mechanische Apparatur» sei es, durch das man «eines Tages die Fähigkeit der Wahrnehmung differenzierter Töne» verlieren könnte (Heinz Oskar Wuttig, 1954)....
