Der Gesprächskünstler
André Müller hat seine Gespräche mit Künstlern oder Theaterleuten nie autorisieren lassen. Gegenlesen gab es nicht, man musste ihm schon vertrauen. Aber das war meist kein Problem, weil Vertrauenschaffen die Grundbedingung war für seine Art des Gedanken-austauschs, der weiter ging als jedes übliche Verlautbarungsgerede. «André Müller geht gleich ganz in die Menschen hinein, und dann macht er sie zu Sprache, und dann werden sie erst sie selbst», schrieb Elfriede Jelinek.
Müller ist 1946 im brandenburgischen Michendorf geboren, in Wien aufgewachsen, zog 1970 nach München, wo er zunächst für die «Abendzeitung» schrieb, und bald darauf erschienen seine Gespräche in der «Zeit», im «Spiegel», der «FAZ» und auch in «Theater heute». Ein Beispiel seiner Interviewkunst gibt ein kleiner Auszug aus seinem Gespräch mit Claus Peymann im März 1988 (abgedruckt in TH 7/88), dessen Offenheit den damaligen Burgdirektor fast den Job gekostet hätte:
André MüllerWas machen Sie, wenn Sie allein sind?
PeymannIch lese. Ich bin, das muss man auch einmal sagen, ein relativ gebildeter Mensch, weitaus gebildeter als die meisten anderen Regisseure.
MüllerGebildet, aber frei von Gedanken.
PeymannJa, ist doch ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von
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zulande einen meisterlichen Aufzug hermachen, wird es wohl stimmen.
Dortzulande ist eine Adresse zwischen Traum und Trauma, eine geräumige Absteige in der Sadowaja, totalitäres Moskau,...
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