Aufführungen
Nein, es ist keine Romanbearbeitung, mit der Michael Thalheimer seine erste Regie an der Berliner Schaubühne vorstellt. Der Großromancier Lew Tolstoi hat 1886 mit «Die Macht der Finsternis» ein veritables Drama, fünf Frauen, sechs Männer, um die Gier, das Geld und den Tod geschrieben. Sechs Jahre früher hat der sehr junge Kollege Tschechow seinen müden Frauenhelden «Platonow» ins Visier genommen, auf den im Wiener Burgtheater Alvis Hermanis blickt, während sich Elias Perrig in Basel den provinzüberdrüssigen «Drei Schwestern» zuwendet.
Jette Steckel hält es dagegen am Deutschen Theater Berlin mit Gorkis vorrevolutionären «Kleinbürgern», die 1901 schon ein Vorschein von Sozialismus anwehte. Um die Ecke im Maxim Gorki Theater setzt sich Antú Romero Nunes auf die Spuren des Visconti-Films «Rocco und seine Brüder», womit wir in Italien wären, mit dessen geheimen Herrschern «Mamma Mafia» sich in Köln Antonio Latella beschäftigt. Volker Lösch sucht für seine Version von Fritz Langs «Metropolis» in Stuttgart nach Aktivisten, die chorisch zum Thema «Stuttgart 21» beitragen wollen. Echte Menschen versammelt auch Stefan Kaegi in Hannover, nämlich Deutschrussen, die die boomende Ölindustrie ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Service, Seite 64
von
Im Spielplan des Burgtheaters gibt es derzeit zwei Schwerpunkte. Den einen könnte man mit «Matthias Hartmann» überschreiben, den anderen mit «Internationale Gäste». Nicht weniger als zehn Hartmann-Inszenierungen befinden sich aktuell im Repertoire, und da sind die Arbeiten der am Burgtheater engagierten Familienmitglieder (Gattin, Schwester, Schwager) noch gar...
Am 4. April 2011 wurde Juliano Mer Khamis, 52, vor seinem Freedom Theatre im Flüchtlingslager von Jenin von einem maskierten Täter erschossen. Der Mann sprach ihn an, Juliano ließ seine Fensterscheibe herunter und wurde mit mehreren Schüsse regelrecht hingerichtet. Auf dem Beifahrersitz befand sich sein einjähriger Sohn auf dem Schoß des Kindermädchens, das an der...
Kimmigs Fassung von Gorkis Prä-Revolutionsdrama «Kinder der Sonne», geschrieben 1915 in Festungshaft, ist politisch erfreulich unsentimental. Kimmig lässt dezidiert alle Szenen weg, die bei Gorki auf einen bevorstehenden Aufstand der Unterschicht verweisen. Revolutionskitsch im BE-Stil oder vermeintlich «linkes» Kunstgewerbe-Pathos à la Lösch sind nicht so Kimmigs...
