Sympathy for the devil

nach Bulgakow «Der Meister und Margarita» (Staatsschauspiel, Werkhalle)

Theater heute - Logo

«Ich bin der Meister», zischelt er. Nun ja, kann jeder mal so kühn behaupten. Falls lange
Unterhosen, löchrige Filzlatschen, schlurfende Schritte und ein irres Flackern im Blick dort-
zulande einen meisterlichen Aufzug hermachen, wird es wohl stimmen.

Dortzulande ist eine Adresse zwischen Traum und Trauma, eine geräumige Absteige in der Sadowaja, totalitäres Moskau, eine aus der Zeit gefallene Wohnung, die alles sein kann, Anstalt und Blocksberg, Künstlerküche und Straßenbahn, Ostblock und Naher Osten, Höllentor und Golgatha, Realistenkiste und Animationsstudio.

Volker Hintermeier hat diese Bühne in die Werkhalle der Stuttgarter Interimsspielstätte gebaut, mit einer Hingabe, dass jedem Ostalgietrödler das Herz aufgehen muss. Ein perfekter Bulgakow-Schauplatz, wo die schmuddeligsten Literaten die aufregendsten Frauen abkriegen. Weil sie Meister in der Menschenliebe sind. Die Frau heißt in diesem Fall Margarita (Nadja Stübiger), sieht aus wie eine Doppelagentin, strahlt aber eine musische Aura aus; dank ihr überwindet der regimefeindliche Bettelliterat seine Angst vor der Angst. Und vollendet sein Manuskript.
Win-win? Weit gefehlt. Sieger bleibt immer der Teufel. In Stuttgart klettert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Politik im Liegen

Warum kann man sich kein Musical vorstellen, das von Phil Collins handelt? Oder von Paul Mc­Cartney nach den Beatles? Von Nena gar? Das sind Fragen, die man sich auch noch stellen kann, wenn man drei Musiker-Musicals in loser Folge schaut, die im ersten Moment wenig eint. Außer der Tatsache, dass es nun auffallend viele Produktionen gibt, die Musikerbiografien...

Pathologien des Alltags

Dass Theodor W. Adorno den Jazz ge­ring­geschätzt hat, ist verbürgt. Jazzorchester erinnerten den Philosophen an Militärkapellen. Der Dramatiker Thomas Melle bastelt aus der kulturgeschichtlichen Petitesse eine Mini-Farce. Ein deutsches Paar in Israel: Während sie mit dem Kellner flirtet, widert ihn das bevorstehende Jazzkonzert schon beim Frühstück an. Obwohl er...

Programmhinweise

Montag, 2.
19.30, Theaterkanal: Feridun Zaimoglu im Gespräch

Samstag, 7.
19.20, 3sat: Theatertreffen 2011 in Berlin – die Eröffnung
20.15, 3sat: Das Werk – Im Bus – Ein Sturz – von Elfriede Jelinek, mit Susanne Barth, Lina
Beckmann, Rosemary Hardy, Thomas Loibl, Caroline Peters, Laura Sundermann, Michael
Weber, Kathrin Wehlisch, Julia Wieninger und Manfred Zapatka,...