Sympathy for the devil
«Ich bin der Meister», zischelt er. Nun ja, kann jeder mal so kühn behaupten. Falls lange
Unterhosen, löchrige Filzlatschen, schlurfende Schritte und ein irres Flackern im Blick dort-
zulande einen meisterlichen Aufzug hermachen, wird es wohl stimmen.
Dortzulande ist eine Adresse zwischen Traum und Trauma, eine geräumige Absteige in der Sadowaja, totalitäres Moskau, eine aus der Zeit gefallene Wohnung, die alles sein kann, Anstalt und Blocksberg, Künstlerküche und Straßenbahn, Ostblock und Naher Osten, Höllentor und Golgatha, Realistenkiste und Animationsstudio.
Volker Hintermeier hat diese Bühne in die Werkhalle der Stuttgarter Interimsspielstätte gebaut, mit einer Hingabe, dass jedem Ostalgietrödler das Herz aufgehen muss. Ein perfekter Bulgakow-Schauplatz, wo die schmuddeligsten Literaten die aufregendsten Frauen abkriegen. Weil sie Meister in der Menschenliebe sind. Die Frau heißt in diesem Fall Margarita (Nadja Stübiger), sieht aus wie eine Doppelagentin, strahlt aber eine musische Aura aus; dank ihr überwindet der regimefeindliche Bettelliterat seine Angst vor der Angst. Und vollendet sein Manuskript.
Win-win? Weit gefehlt. Sieger bleibt immer der Teufel. In Stuttgart klettert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Stephan Reuter
Kimmigs Fassung von Gorkis Prä-Revolutionsdrama «Kinder der Sonne», geschrieben 1915 in Festungshaft, ist politisch erfreulich unsentimental. Kimmig lässt dezidiert alle Szenen weg, die bei Gorki auf einen bevorstehenden Aufstand der Unterschicht verweisen. Revolutionskitsch im BE-Stil oder vermeintlich «linkes» Kunstgewerbe-Pathos à la Lösch sind nicht so Kimmigs...
Amsterdam
Holland Festival vom 1. bis 26. Juni
Pressebüro Reservations Center
P.O. Box 404, NL-2260 AK Leidschendam
Tel.: 00 31/70/320 25 00
Fax: 00 31/70/320 26 11
info@hollandfestival.nl
www.hollandfestival.nl
Hommage à Christoph Schlingensief:
Burgtheater: Mea Culpa (2.)
Festspielhaus Afrika: Via Intolleranza II (4.–6.)
L’Odéon Théâtre Paris: Warlikowski nach
Williams...
Liebe Redaktion,
ich muss leider passen. Denke seit einigen Tagen herum, aber soooo richtig fällt mir nichts ein. Zumindest habe ich immer gleich schon selbst überzeugende Gegenargumente. Elfriede Jelineks «Werk/Bau/Sturz» in Köln, ja, aber wollen wir zweimal Jelinek? Christine Dössel hat die Auswahl von München gut begründet. Philipp Löhles «supernova» in Mannheim,...
