Der fleischfarbene Anzug der Avantgarde

Ein Wochenende beim Kunst- und Theaterfestival steirischer herbst in Graz

Theater heute - Logo

Vielleicht hatte man «The Theatre» doch unterschätzt. Nachdem International Festival – so nennen sich Architekt Tor Lindstrand und Choreograf Marten Spangenberg – im Presseheft erläutert hatten, dass das Provisorium auf dem Grazer Karmeliterplatz nicht nur ein Bühnenzelt, sondern ein kollektives Performance-Kunstwerk, «temporäre Intervention» und «soziale Interaktion» war, für die zwei Jahre lang 40 Künstler «kollaboriert» hatten, hätte man die beiden Schweden fast unter heißer Luft verbucht.

Doch dann fand man sich morgens um drei im Vorzelt dieser theatralen Wundertüte, schlürfte den x-ten gereichten «Squashed Frog» (Schnaps, grüner Wackel­pudding, Vanillesauce) und freute sich, dass die soziale Interaktion wie geschmiert lief.
 

40. Geburtstag

Und es gab ja auch etwas zu feiern. Das interdisziplinäre, natürlich der Kleinschreibung verpflichtete Kunstfestival steirischer herbst wurde 40 – und mit ihm die Tradition, das konservative, geschäftstüchtige Graz der Unruhestiftung durch zeitgenössische Kunst auszusetzen. Elfriede Jelinek und Peter Handke lasen hier Ende der 60er Jahre, Hermann Nitsch, Hans Haacke und Christoph Schlingensief setzten Duftmarken. Doch die Tradition ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2007
Rubrik: Magazin/Festival, Seite 58
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Grenzüberschreitungen erwünscht

Eins der wichtigsten Londoner Theater hat einen neuen Chef: Dominic Cooke löste im Januar dieses Jahres den langjährigen Intendanten Ian Rickson an der Spitze des Royal Court ab. Nach zehn Rickson-Jahren, von einem sehr spezifischen «social realism» geprägt, der vor allem die britische Unterschicht unter dem Bühnenmikroskop zappeln ließ, weht mit dem Einzug des...

Der Geheimdramaturg

Theater heuteTom Stromberg, als was können wir Sie begrüßen? Als Produzenten? Gutsbesitzer? Akademie-Direktor? Festival-Macher?

Tom StrombergIch habe noch viel schönere Berufsbezeichnungen: Ich nenne mich am liebsten Impresario und Geheimdramaturg. Festival-Leiter stimmt in Bezug auf «Impulse», dabei muss aber unbedingt Matthias von Hartz genannt werden, mit dem...

Liebet Euren N

Diese Text-Ansammlung, Untertitel «Acht Variationen über Lessings Nathan den Weisen», intelligent hin- und hergewendete Auslassungen, erscheint mir als Bekundung einer tief verunsicherten westlichen Liberalität. Lessings Nathan, N genannt, wird um seinen Beinamen «der Weise» verkürzt. Seine aus der Ringparabel (die nur in der Urfassung aus Boccaccios «Dekamerone»...