Grenzüberschreitungen erwünscht
Eins der wichtigsten Londoner Theater hat einen neuen Chef: Dominic Cooke löste im Januar dieses Jahres den langjährigen Intendanten Ian Rickson an der Spitze des Royal Court ab. Nach zehn Rickson-Jahren, von einem sehr spezifischen «social realism» geprägt, der vor allem die britische Unterschicht unter dem Bühnenmikroskop zappeln ließ, weht mit dem Einzug des jungen Cooke nun eine unverkennbar innovative Brise durch diese heiligen New-Writing-Hallen. So begeisterte sich der Theaterkritiker des «Independent»: «Dominic Cooke has just the genius and the kick that this venue needs.
It’s fist-bitingly exciting.» Fast alles scheint möglich. Obwohl Stücke wie «The Eleventh Capital» und «My Child», beides Erstlinge von blutjungen Autoren (Alexandra Wood und Mike Bartlett), die knapp und lakonisch Außenseiterleben beschreiben, der gewohnten Tradition folgen und auch eine gewisse Kontinuität versprechen.
Horizonterweiterung mit «Dissocia»
Das Eröffnungsstück seiner Amtszeit auf der großen Bühne downstairs war dafür ein Court-Quantensprung, der die Türen weit aufreißt für ein breiter gefächertes, unberechenbareres Programm, als man es in der letzten Dekade gewohnt war: Anthony Neilsons ...
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