Grenzüberschreitungen erwünscht
Eins der wichtigsten Londoner Theater hat einen neuen Chef: Dominic Cooke löste im Januar dieses Jahres den langjährigen Intendanten Ian Rickson an der Spitze des Royal Court ab. Nach zehn Rickson-Jahren, von einem sehr spezifischen «social realism» geprägt, der vor allem die britische Unterschicht unter dem Bühnenmikroskop zappeln ließ, weht mit dem Einzug des jungen Cooke nun eine unverkennbar innovative Brise durch diese heiligen New-Writing-Hallen. So begeisterte sich der Theaterkritiker des «Independent»: «Dominic Cooke has just the genius and the kick that this venue needs.
It’s fist-bitingly exciting.» Fast alles scheint möglich. Obwohl Stücke wie «The Eleventh Capital» und «My Child», beides Erstlinge von blutjungen Autoren (Alexandra Wood und Mike Bartlett), die knapp und lakonisch Außenseiterleben beschreiben, der gewohnten Tradition folgen und auch eine gewisse Kontinuität versprechen.
Horizonterweiterung mit «Dissocia»
Das Eröffnungsstück seiner Amtszeit auf der großen Bühne downstairs war dafür ein Court-Quantensprung, der die Türen weit aufreißt für ein breiter gefächertes, unberechenbareres Programm, als man es in der letzten Dekade gewohnt war: Anthony Neilsons ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dass das Ich nichts Fixes ist, welche Berufsgruppe wüsste das besser als Schauspieler, die die Ichs ihrer Rollen stets aufs Neue konstruieren und dabei auch noch das private Ich als Konstrukt mit ins Spiel zu bringen haben. So hat Jan Bosse in seiner «Amphitryon»-Inszenierung am Maxim Gorki Theater Kleists Reflektion einer existenziellen Verunsicherung zum Anlass...
Ein Mann, er heißt Oliver, hetzt nächtens durchs vorweihnachtliche Berlin. Mit einem Feldstecher und einem Fläschchen Chloroform bewaffnet, steuert er seinen kleinen Transporter dorthin, wo er die Einsamen vermutet, und sammelt ein: Die Frau seines Chefs, eine Seniorin, die im Heim vor einem Piccolo sitzt, einen Jungen, der auf dem Spielplatz schläft, er lauert...
Zu viele Alte, zu wenige Junge – Deutschlands demografisches Problem betrifft vor allem die Jugend, ihre Zukunft wird verspielt. Wenn schon der Verband junger Unternehmer die Aufkündigung des Generationenvertrags fordert, warum rebelliert die Jugend nicht? Warum nicht ein paar symbolische Robin-Hood-Aktionen: Altenheime ausrauben und von dem Erlös der Beute...
