Der Geheimdramaturg
Theater heuteTom Stromberg, als was können wir Sie begrüßen? Als Produzenten? Gutsbesitzer? Akademie-Direktor? Festival-Macher?
Tom StrombergIch habe noch viel schönere Berufsbezeichnungen: Ich nenne mich am liebsten Impresario und Geheimdramaturg. Festival-Leiter stimmt in Bezug auf «Impulse», dabei muss aber unbedingt Matthias von Hartz genannt werden, mit dem ich mir die Leitung und, entgegen anders lautender Gerüchte, auch das Honorar teile.
THVor knapp zwei Jahren haben Sie sich, nach dem Ende Ihrer Intendanz am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, dazu entschieden, zusammen mit von Hartz die Leitung von «Impulse» zu übernehmen, dem Festival für Freies Theater. Waren Sie vom Stadttheater so enttäuscht?
StrombergDarf ich ein bisschen ausholen? Ich fühle mich sehr alt. Nicht biologisch, da würde ich mich auf 29 schätzen, geistig auf zwölf. Aber was das Theater angeht, komme ich mir manchmal sehr alt vor. Das liegt sicher daran, dass ich so früh angefangen habe, als Theaterkind mit acht Jahren zum ersten Mal auf einer Bühne stand, jetzt also bald 40-jähriges Bühnenjubiläum feiere. Mit 29 war ich Chefdramaturg, dann kam das TAT, die harte Zeit bei der Expo. Und Hamburg war auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Mann, er heißt Oliver, hetzt nächtens durchs vorweihnachtliche Berlin. Mit einem Feldstecher und einem Fläschchen Chloroform bewaffnet, steuert er seinen kleinen Transporter dorthin, wo er die Einsamen vermutet, und sammelt ein: Die Frau seines Chefs, eine Seniorin, die im Heim vor einem Piccolo sitzt, einen Jungen, der auf dem Spielplatz schläft, er lauert...
Ihre Arbeiten ähneln sich nur in einem: hundertprozentige Wiedererkennbarkeit. Der 66-jährige Robert Wilson und der 42-jährige Michael Thalheimer gelten als Methodenregisseure, die jeden Stoff in ihr Regierezept zwingen und Schauspieler als Exekutoren ihrer ästhetischen Konzepte agieren lassen: die Korsettmeister des deutschen Theaters.
Der Wahrheitsgehalt dieses...
Ein Mann kommt auf die Bühne, projiziert ein paar Bilder von Hühnern. Redet von Bodenhaltung. Prinzipielle Überlegungen zu Futter, Ungeziefervermeidung, Schlachtung. Die Zuschauer ratlos oder amüsiert, drei, vier verärgert. Nach einstündigem Diavortrag dann Zeit für Fragen; Fragen zur Geflügelhaltung und Fragen zur Repräsentation im Theater. Aber weiß der Mann auf...
