Liebet Euren N

Christian Lollike «Nathan (ohne Titel)»

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Diese Text-Ansammlung, Untertitel «Acht Variationen über Lessings Nathan den Weisen», intelligent hin- und hergewendete Auslassungen, erscheint mir als Bekundung einer tief verunsicherten westlichen Liberalität. Lessings Nathan, N genannt, wird um seinen Beinamen «der Weise» verkürzt. Seine aus der Ringparabel (die nur in der Urfassung aus Boccaccios «Dekamerone» zitiert wird) abgeleitete Botschaft wird um den Lessingschen Schluss verkürzt, dass jeder (Christ, Jude, Muselmane) seiner unbestochenen, von Vorurteilen freien Liebe nach­eifern möge.

Nathan wird zu N, einem taffen Geschäftsmann verkleinert, der sich Mensch­lichkeit nur leistet, wenn die Geschäfte es erlauben. Auch Ns Atheismus erscheint kalkuliert, er findet, dass «in Friedensperspektive ... Gott keine rentable Investition ist».

Dieser Nathan denkt wie ein Max-Weberscher Calvinist, allerdings ein ungläubiger: «Nur wenn wir unser Vermögen vergrößern und an unsere eigene Güte glauben, können Vermögen und Güte Hand in Hand gehen.» Trotzdem wird er zum Prügelknaben der anderen Text-Absonderer, einer – K 1 genannt – verhört ihn mit einer bedrohlichen Eisenstange in der Hand, wirft ihm wiederum Vermischung von Toleranz und ...

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Theater heute November 2007
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Henning Rischbieter

Vergriffen
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