Der Druck im Brustkorb steigt
Ein großbürgerliches Wohnzimmer unserer Zeit. Altbau. Europa. Die Leute, die hier wohnen, haben Geschmack, sie verbinden gekonnt Modernes mit Altem, sie haben genug Geld, aber es muss auch nicht alles perfekt sein. Ikea trifft Biedermeier und Charles Eames und Flohmarkt. Sie lesen Bücher, sie haben studiert.» Pointiert skizziert Roland Schimmelpfennig den Lifestyle einer Bevölkerungsschicht, die einem nur allzu bekannt vorkommt.
Ähnliche Betrachtungen, Befunde, Gedanken ziehen sich durch das gesamte Stück und sind als mögliche Texte für das Figurenpersonal gedacht: «Die Leute, die hier wohnen, haben in ihrem Leben niemals eine konservative Partei gewählt. Sie sind nicht älter als Mitte Vierzig, können aber jünger sein. Vielleicht sind sie erst Ende Dreißig. Sie sind dort angekommen, wo sie hinwollten.» Wir dürfen den Bewohnern Berlin-Mittes oder Prenzlauer Bergs, den Kreativen dieser Stadt, ins Wohnzimmer schauen – als Abrechnung, Rechtfertigung, Freisprechung oder schlicht Nabelschau?
Die Handlung beginnt kurz vor Weihnachten. Albert und Bettina, gutsituiert und Eltern eines achtjährigen Mädchens, sind «mehr als gereizt»: Es steht der Besuch von Bettinas Mutter Corinna bevor. Das ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 191
von Sonja Anders
Was ist das für ein System, in dem ein 50-jähriger Lichttechniker mit ‹Best Boy› angesprochen wird?», fragte einmal der Filmemacher David Mamet Hollywoods Filmindustrie. Was ist das für ein System, könnte man entsprechend die Städtischen Bühnen fragen, in dem eine 24-jährige Schauspielerin, die nach Abschluss ihres Studiums ihr erstes Engagement antritt, sich...
... zieht sich Wolfram Lotz’ Kolonialismus-Groteske «Die lächerliche Finsternis» durch die diesjährige Kritikerumfrage. Nicht nur waren sich mehr Kritiker als jemals zuvor, nämlich 27, einig, dass dies das deutschsprachige Stück des Jahres ist (zweitplatziert folgt mit 4 Stimmen Ewald Palmetshofers «die unverheirate»), 8 Kollegen machten auch Dusan David Parizeks...
Ensemble ist die gelebte Utopie einer solidarischen Gemeinschaft, in der jeder egoistische Ziele verfolgt unter dem Banner von künstlerischem Ausdruckswillen. Ensemble heißt zusammen. Wenn Theatermachen eine ständige Überforderung ist, ist es nur dieses Zusammen, das es ermöglicht, diese Herausforderung zu meistern.
Wenn man sich ein Ensemble näher anschaut, sollte...
