Der Druck im Brustkorb steigt

Roland Schimmelpfennig «Wintersonnenwende» (DE)

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Ein großbürgerliches Wohnzimmer un­serer Zeit. Altbau. Europa. Die Leute, die hier wohnen, haben Geschmack, sie verbinden gekonnt Modernes mit Altem, sie haben genug Geld, aber es muss auch nicht alles perfekt sein. Ikea trifft Biedermeier und Charles Eames und Flohmarkt. Sie lesen Bücher, sie haben studiert.» Pointiert skizziert Roland Schimmelpfennig den Lifestyle einer Bevölkerungsschicht, die einem nur allzu bekannt vorkommt.

Ähnliche Betrachtungen, Befunde, Gedanken ziehen sich durch das gesamte Stück und sind als mögliche Texte für das Figurenpersonal gedacht: «Die Leute, die hier wohnen, haben in ihrem Leben niemals eine konservative Partei gewählt. Sie sind nicht älter als Mitte Vierzig, können aber jünger sein. Vielleicht sind sie erst Ende Dreißig. Sie sind dort angekommen, wo sie hinwollten.» Wir dürfen den Bewohnern Berlin-Mittes oder Prenzlauer Bergs, den Kreativen dieser Stadt, ins Wohnzimmer schauen – als Abrechnung, Rechtfertigung, Freisprechung oder schlicht Nabelschau?

Die Handlung beginnt kurz vor Weihnachten. Albert und Bettina, gutsituiert und Eltern eines achtjährigen Mädchens, sind «mehr als gereizt»: Es steht der Besuch von Bettinas Mutter Corinna bevor. Das ...

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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 191
von Sonja Anders

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