Der Daseinsnostalgiker
Bernd Noack Das Drama der Stunde ist «Die letzten Tage der Menschheit» von Karl Kraus. In Wien kann man gleich an zwei Häusern Neuinszenierungen sehen. Kraus selber sagte es praktisch voraus, dass man vergessen wird, was damals geschehen ist, und deshalb genauso weitermachen wird.
Ist die Menschheit unfähig zu lernen?
Franz Schuh Die Tatsache, dass dieses Drama «Die letzten Tage der Menschheit» heißt, könnte man ja einfach konterkarieren mit folgendem satirischen Spruch: Das ginge ja nun doch nicht, «Die letzten Tage der Menschheit» schreiben und sie überleben. Aber gemeint ist eigentlich, dass das, was als positive Projektion in dem Wort Menschheit stecken mag, dass das nunmehr nicht funktioniert. Mit diesem Ersten Weltkrieg, folgt man Kraus, wird eigentlich eine Grenze zu einer Grausamkeit überschritten sein, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Der Zweite Weltkrieg und ihm folgende Kriege an anderen Orten der Welt belegen das ja: Die alte Frage, ob die Menschen aus der Geschichte etwas lernen, kann man hegelianisch, also mit dem Philosophen Hegel beantworten: Dass man aus der Geschichte nur lernen kann, dass die Menschen aus der Geschichte nichts lernen.
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Bernd Noack
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Wie geht es weiter mit...
© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt 2014
«Im zermauerten Land» ist ein Vorabdruck aus:
Günther Rühle
Theater in Deutschland 1945–1966
Seine Ereignisse – seine Menschen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014,
1.440 Seiten, gebunden, € (D) 46,00/€ (A) 47,30/SFR 61,90,
erscheint am 23. Oktober 2014In der Bundesrepublik war man schon lange stolz auf den erreichten...
