Der Daseinsnostalgiker
Bernd Noack Das Drama der Stunde ist «Die letzten Tage der Menschheit» von Karl Kraus. In Wien kann man gleich an zwei Häusern Neuinszenierungen sehen. Kraus selber sagte es praktisch voraus, dass man vergessen wird, was damals geschehen ist, und deshalb genauso weitermachen wird.
Ist die Menschheit unfähig zu lernen?
Franz Schuh Die Tatsache, dass dieses Drama «Die letzten Tage der Menschheit» heißt, könnte man ja einfach konterkarieren mit folgendem satirischen Spruch: Das ginge ja nun doch nicht, «Die letzten Tage der Menschheit» schreiben und sie überleben. Aber gemeint ist eigentlich, dass das, was als positive Projektion in dem Wort Menschheit stecken mag, dass das nunmehr nicht funktioniert. Mit diesem Ersten Weltkrieg, folgt man Kraus, wird eigentlich eine Grenze zu einer Grausamkeit überschritten sein, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Der Zweite Weltkrieg und ihm folgende Kriege an anderen Orten der Welt belegen das ja: Die alte Frage, ob die Menschen aus der Geschichte etwas lernen, kann man hegelianisch, also mit dem Philosophen Hegel beantworten: Dass man aus der Geschichte nur lernen kann, dass die Menschen aus der Geschichte nichts lernen.
BN Sie haben das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Bernd Noack
6./Montag
20.15, arte: Die Wand Spielfilm (2011) von Julian Roman Pölsler nach Marlen Haushofer, mit Martina Gedeck, Karl Heinz Hackl, Hans-Michael Rehberg, Wolfgang Maria Bauer u.a.
(vgl. TH 4/2012)
21.55, arte: Faust russischer Fernsehfilm (2011) von Alexander Sokurow nach
Goethe, mit Johannes Zeiler, Anton Adassinski, Isolda Dychauk, Hanna Schygulla, Florian...
Sommerferien, die vermeintlich schönste Jahreszeit, aber auch emotionaler Ausnahmezustand, vor allem, wenn man sich von der akribisch eingefädelten Urlaubsbekanntschaft die letzte Rettung der prekären Existenz erhofft und alles darauf ankommt, nur ja im richtigen Moment auf der richtigen Party zu sein. Schon die Frage, wer mit wem und auf wessen Kosten reist und...
Die letzten Tage der Menschheit sind jetzt auch schon wieder hundert Jahre her. Aus gegebenem Anlass war das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele 2014 monothematisch dem Ersten Weltkrieg gewidmet, und da führte an Karl Kraus’ großem Wiener Weltkriegstheater «Die letzten Tage der Menschheit» (1922) kein Weg vorbei.
Die im Landestheater als Koproduktion mit...
