Warten macht auch Arbeit
Annie Sprinkle hat schöne Brüste. Große, schwere, weiche Brüste, die die 60-jährige Übermutter der künstlerischen Sexarbeit im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel zu Strauss’ «Donauwalzer» tanzen ließ: niedlich, lustig, auch erotisch.
Es war eine kluge Entscheidung, Sprinkles kurze Performance «Bossom Ballet» zur Eröffnung der Konferenz «Fantasies that matter – Images of sexwork in media and art» im Rahmen des Internationalen Sommerfestivals Hamburg zu zeigen: Sie verdeutlicht, dass es nicht in erster Linie um Sexarbeit gehen sollte als vielmehr um deren mediale und künstlerische Vermittlung. Auch wenn der burleske Humor von Sprinkles Performance mit Sexarbeit im engeren Sinne kaum noch etwas zu tun hat.
Das Problem der Konferenz war allerdings nicht eine gewisse terminologische Unschärfe. Mit einer Ausnahme (der Sozialarbeiter Gerhard Schlagheck war an einer Diskussion zur konkreten Situation in Hamburg beteiligt) bestanden die Podien ausschließlich aus weißen, mehr oder weniger privilegierten Cisgender-Frauen (Cis- im Gegensatz zu Transgender bezeichnet Menschen, deren Geschlechtsidentität mit ihrem körperlichen Geschlecht zusammenfällt – Anm. d. Cis-Red.). Eine Schwierigkeit, auf ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Magazin: Konferenz, Seite 76
von Falk Schreiber
Als ich den damals noch recht jungen Gert Voss zum ersten Mal ganz bewusst auf der Bühne wahrnahm, war er sehr alt. Ich hatte ihn schon vorher gesehen – so in Claus Peymanns und Achim Freyers Stuttgarter «Faust» von 1977; aber da war er mir nicht wirklich aufgefallen in der Menge der turbulenten Aktionen und Akteure. Am 7. Mai 1982 aber, als «Der Kirschgarten» in...
6./Montag
20.15, arte: Die Wand Spielfilm (2011) von Julian Roman Pölsler nach Marlen Haushofer, mit Martina Gedeck, Karl Heinz Hackl, Hans-Michael Rehberg, Wolfgang Maria Bauer u.a.
(vgl. TH 4/2012)
21.55, arte: Faust russischer Fernsehfilm (2011) von Alexander Sokurow nach
Goethe, mit Johannes Zeiler, Anton Adassinski, Isolda Dychauk, Hanna Schygulla, Florian...
In den drei Jahren seiner Intendanz hat Heiner Goebbels zwar auch vieles bei der RuhrTriennale zugelassen, ja gefördert, das nicht direkt in die Kategorie «Musiktheater» gehört; aber die große Konstante seiner Ära sind Versuche, auf der kleinsten und alternativsten wie der größten und aufwändigsten Ebene Musiktheater für die Gegenwart zu fassen. Jedes Mal stand ein...
