Höllenspieler, Spielerhöllen
Der gewöhnliche Mensch spielt in seinem Leben nur eine Handvoll Rollen. Eine im Beruf, eine für das begehrte Geschlecht, für die Eltern und Verwandten eine andere als für die Kinder, und manche Menschen haben noch eine extra Rolle parat unter der Überschrift «Geheime Leidenschaft» (Autofahren, Lyrik, Swingerclub oder Schalke 04 zum Beispiel). Bei dieser überschaubaren Menge an Fußspuren dürfte der gewöhnliche Mensch also ohne Probleme einen Lebensweg vor sich erkennen, den er mit dem Gefühl beschreiten kann, ein Ich zu sein, ein Selbst zu haben.
Ohne große Dramen wird er relativ genau wissen, mit wem er sich in seinem Körper langweilt.
Aber ein Schauspieler? Was außer Drogen, Psychiater oder der guten alten Metaphysik kann einem Menschen noch die Gewissheit geben, einen unteilbaren Kern zu haben, wenn er dauernd jemand anderes darstellen muss und will? Mangelt es nicht an der natürlichen Konzentration für das Ego, wenn man heute Othello und morgen der Graf von Monte Christo ist? Beobachtet man des Mimens täglichen Wechsel vom Fremd- zum Selbstdarsteller, über den der Boulevard-Journalismus genauso fundiert berichtet wie der Kantinenklatsch, so kann man doch gar nicht anders, als ...
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Vor neun Jahren hat Peter Zadek den «Kirschgarten« inszeniert, im Wiener Akademietheater, in einer puppenstubenkleinen Welt für ganz große Schauspieler, Angela Winkler und Sepp Bierbichler: ein melancholischer, vor subversiver Erotik flirrender Abgesang auf die Vergänglichkeit und den Zauber des ewigen Spiels. Drei Jahre später in Basel räumte Stefan Pucher mit dem...
Der Skandal blieb aus, «die» Entdeckung ist es dann aber auch nicht gewesen: Als das Theater in Erlangen ankündigte, ein ausgegrabenes Stück des kommunistischen jüdischen Publizisten Alfred Kantorowicz (1899– 1979) uraufzuführen, das auch noch drohend den nackten Titel «Erlangen» trägt, witterten manche Bürger in einer Inszenierung des 1929 geschriebenen Dramas...
Dieser Parzival ist ein Pumuckl. Nicht äußerlich, da sieht er eher aus wie Mogli aus dem Dschungelbuch, ein nacktes Jüngelchen mit windelartigem Schurz. Aber innerlich. Ein Lausbub von begrenztem Intellekt, dafür mit ausgeprägter Klabauterschläue. Ein sympathischer Egoist, der zwar von Gott redet als einem Baum, dessen Blatt er ist, für den in Wahrheit aber dieses...
