Höllenspieler, Spielerhöllen
Der gewöhnliche Mensch spielt in seinem Leben nur eine Handvoll Rollen. Eine im Beruf, eine für das begehrte Geschlecht, für die Eltern und Verwandten eine andere als für die Kinder, und manche Menschen haben noch eine extra Rolle parat unter der Überschrift «Geheime Leidenschaft» (Autofahren, Lyrik, Swingerclub oder Schalke 04 zum Beispiel). Bei dieser überschaubaren Menge an Fußspuren dürfte der gewöhnliche Mensch also ohne Probleme einen Lebensweg vor sich erkennen, den er mit dem Gefühl beschreiten kann, ein Ich zu sein, ein Selbst zu haben.
Ohne große Dramen wird er relativ genau wissen, mit wem er sich in seinem Körper langweilt.
Aber ein Schauspieler? Was außer Drogen, Psychiater oder der guten alten Metaphysik kann einem Menschen noch die Gewissheit geben, einen unteilbaren Kern zu haben, wenn er dauernd jemand anderes darstellen muss und will? Mangelt es nicht an der natürlichen Konzentration für das Ego, wenn man heute Othello und morgen der Graf von Monte Christo ist? Beobachtet man des Mimens täglichen Wechsel vom Fremd- zum Selbstdarsteller, über den der Boulevard-Journalismus genauso fundiert berichtet wie der Kantinenklatsch, so kann man doch gar nicht anders, als ...
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