Der Baum und seine Säfte
Mit Volker gab es keine Proben. Statt zu proben kam Volker mit dem Taxi zu mir nach Weißensee, wir haben ohne viel zu reden Opernfilme gekuckt: Jean Pierre Ponelle, Otto Schenk, Karajan und unsere Lieblingstenöre gehört. Max Lorenz, der schwule Wagnerheld, war der genialste. Volker hatte ihn in Wien persönlich kennengelernt, als er dort am Max-Reinhard-Seminar studierte. Er kannte auch viele weltberühmte Sopranistinnen persönlich. Volker war ein Opern-Nachschlagewerk. Wir haben Opernsängerraten gespielt. Er kannte sich besonders gut mit den Sopranistinnen aus.
Er war sozusagen Sopranfetischist, ich war besser in Tenören.
Volker überragt alles, ein dicker Baum mit unendlich vielen Jahresringen, ein bißchen von seinen Baumsäften zu trinken, war beglückend. Was für ein Leben. Und wir, der Rest, mit unserer Ikea-Existenz, ohne Jahresringe, schauspielern und inszenieren in einem Vogelkäfig. Es ist traurig, wenn die Helden sterben. Aber fuck die Vorbilder. Volker war der old dirty bastard of german theater. Solche Figuren gibt’s nicht mehr. Aber Volker wird bestimmt wiedergeboren, wenn Corona das System flachgelegt hat und andere Bedingungen da sind.
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