Der andere Lehmann
Ein Winterabend im Jahr 2000. Lange nachdem in der Dantestraße im TFM-Institut (Theater-, Film- und Medienwissenschaft) der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität die letzten Mitarbeiter:innen nach Hause gegangen waren, leuchtete plötzlich ein Fenster hell auf. Wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, wie sich Menschen aus dem Dunkeln herausschälten, die miteinander tuschelten: «Hast du auch eine Einladung bekommen? Zum anderen Brecht?»
Neugierig stiegen wir durch das Treppenhaus und öffneten die Tür, unter der das Licht hervorkroch.
Und da saß er, Hans-Thies Lehmann, unser Professor und Mentor – und grinste uns an. Auf den Seminar -tischen: Zigarren, Whisky und Brechts «Lesebuch für Städtebewohner»: «Gehe in jedes Haus, wenn es regnet» – rezitierte er mit seiner klaren, warmen, humorvollen Stimme: «und setze dich auf jeden Stuhl, der da ist. / Aber bleibe nicht sitzen! Und vergiss deinen Hut nicht!» (Der Spur dieses Hutes müsste man mal folgen …) Nun aber lautete die Empfehlung: «Ich sage dir: / Verwisch die Spuren!» Rätselhafte Ratschläge: «Was immer du sagst, sag es nicht zweimal.» Oder: «Findest du deinen Gedanken bei einem andern: verleugne ihn.»
Was war davon zu ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Postdramatisches Theater, Seite 38
von Alexander Karschnia, Nicola Nord (andcompany&co)
So ziemlich alles an der mittelgroßen Provinzstadt ist durchdrungen vom Militär: Die Garnison ist wichtig für das städtische Zusammenleben, man trifft kaum jemanden, der sich nicht mit Dienstgrad vorstellt, und wenn einer wie Baron Tusenbach (Matthieu Svetchine) der Armee eher distanziert gegenübersteht, dann macht ihn das zum Außenseiter. Zwar wird noch marschiert...
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