Der sokratische Zauberer
Er ging meist auf weichen Sohlen, erinnerte, auch mit seinen listig klugen Augen, an eine weise, leise Katze. Aber Katzen sind zugleich Raubtiere. Dieser sanft wirkende, eher kleinwüchsige Mann, der, als er schon weltberühmt war, am liebsten in Jeans oder legeren Leinenhosen und mit offenem Hemd erschien, er brauchte keinen Auftritt, um einfach da zu sein. Und war doch ein Alphawesen. Denn Peter Brook, der nicht mit den gestischen Herrscherposen des Großregisseurs oder Stardirigenten agierte, er hatte für andere offenbar schon von früh an eine schwer beschreibliche Präsenz.
Dank einer intuitiven und, wenn man ihm begegnete, zugleich unmittelbar spürbaren Autorität.
Dank der Gabe auch, mit unerbittlicher Freundlichkeit reden, werben, erklären und letztlich durchsetzen zu können. Schauspielerinnen und Schauspieler, Produzenten, Geldgeber, Intendanten, Sender, Festivalmanager mit lächelnder Insistenz und feinster Eloquenz von seinen Ideen zu überzeugen, war für Peter Brook offenbar ein Lebenselixier. Auch seine Bücher, zuallererst «Der leere Raum», das klügste Theaterbuch bis heute, beruhen ja meist auf Vorträgen, Interviews, Erzählungen, dem gesprochenen Wort.
Der in London 1925 ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Sommer der Verluste, Seite 26
von Peter von Becker
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