Zurück zur Natur
Ein spiegelndes Designerhaus (Ramallah Aubrecht) leuchtet auf dem lauschigen Teich des Raffelbergparks hinter dem Theater an der Ruhr, drumherum wogen Weiden, schlängeln sich Gehölze, Lichter blinken aus den Büschen. Dr. Wangel lebt hier mit seiner zweiten Ehefrau Ellida und den Töchtern aus erster Ehe, doch es läuft nicht besonders gut.
Müde und entrückt spielt Petra van der Beek die aus der Welt gefallene, vielleicht depressive Ellida aus Ibsens Schauspiel «Frau vom Meer» von 1888, eine Frau, die sich an ihrem Ort, in ihrem Körper, in ihrer Ehe nicht zuhause fühlt, bewegungslos auf dem Esstisch liegt, getrieben von ihrer Sehnsucht nach Meer. Oder wonach eigentlich?
Regisseur Philipp Preuss lässt das, was Ellida fehlt, von Beginn an offen – so etwas Banales wie ein verflossener Liebhaber jedenfalls ist es nicht. Eher die Ursehnsucht nach Verschmelzung mit Natur und Kreatur. Felix Römer da -gegen ist Ellidas Mann, ein reicher, in die Jahre gekommener Langhaar-Hippie, der sich mal liebevoll kümmert, mal seine Wutausbrüche nicht unter Kontrolle bekommt. In Booten kommen die Besucher des Hauses herangefahren, man trägt Norwegermuster rustikal-naturnah auch auf Abendkleidern, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 10 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Dorothea Marcus
Ein Mann sitzt auf dem Boden vor einem flachen Tisch mit verschiedenen Bechern und Kännchen. Hinter ihm durch die offene Fensterfront die Veranda, ein Gemüsegarten, der Himmel. Zhao Chuan bereitet seinen Tee schluckweise zu, gießt Wasser in den einen Becher, legt einen Deckel darauf, wartet, filtert in einen anderen Becher, trinkt einen Schluck. Und wieder von...
Max Stirner (1806 bis 1856) mochte keine großen Ideen. Weder Wahrheit noch Gerechtigkeit, weder Gemeinschaft noch Güte, schon gar nicht Religion oder andere Menschheitserlösungsgedanken, nicht einmal Allgemeinbegriffe wollte er akzeptieren. Nur «das Ich» – kompromisslosen Egoismus – ließ der philosophische Bilderstürmer gelten, obwohl auch das genau genommen ein...
Am 20. August 1991 wartete ich in einer Stadt in den Abruzzen auf Kurt Hübner. Er war in einen Kiosk gegangen, und ich sehe ihn noch heute, wie er zurückkam, mir die deutsche Zeitung hinhielt und die Hände über dem Kopf zusammenschlug: «Putsch in der Sowjetunion – Ausnahmezustand – Präsident Gorbatschow unter Hausarrest.»
Mit Hübner sollte ich an diesem Tag ein...
