Niemand kommt hier lebend raus

Russland im Jahr 2022: Dušan David Parízek inszeniert Tschechows «Drei Schwestern» mit abwesender dritter Schwester in Bremen als pessimistische Gegenwartsanalyse

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So ziemlich alles an der mittelgroßen Provinzstadt ist durchdrungen vom Militär: Die Garnison ist wichtig für das städtische Zusammenleben, man trifft kaum jemanden, der sich nicht mit Dienstgrad vorstellt, und wenn einer wie Baron Tusenbach (Matthieu Svetchine) der Armee eher distanziert gegenübersteht, dann macht ihn das zum Außenseiter.

Zwar wird noch marschiert und paradiert, aber das militärische Brimborium ist bereits nur noch Kulisse, eigentlich haben die Soldaten nichts mehr zu tun, es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Garnison abgezogen wird und das Städtchen vollständig in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Wenn nicht … 

«Was will ich vom Leben?», fragt Oberstleutnant Werschinin (Alexander Swoboda) in Dušan David Parízeks Inszenierung von Anton Tschechows «Drei Schwestern» am Theater Bremen, und Stabskapitän Soljonyi (Martin Baum) antwortet: «Krieg?» Worauf Werschinin sich in eine Selbstbestätigung träumt. «Ja, das würde mir gefallen. Teil der Geschichte sein.» Russland im Jahr 2022. 

Parízek inszeniert Tschechow vom Ende her: Das Militär ist dabei, weiterzuziehen, die Schwestern haben sich damit abgefunden, dass sie nicht in ihre Heimat Moskau zurückkehren werden, ...

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Theater heute 10 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Falk Schreiber

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