Den Sumpf trockenlegen
Man muss sich die Bilder nochmal vor Augen halten: Jahrelang stand an Montagen «das Volk» zu Tausenden auf diesem Platz zwischen Semperoper, Zwinger und Elbe und skandierte rechte Parolen, putschte sich selber in seinem Fremdenhass auf, schürte Angst, schwenkte Fahnen und schmähte alles, was seiner Ansicht nach nicht (richtig) deutsch ist. Pegida und dann die AfD hatten in Dresden den architektonisch einzigartigen Theaterplatz fest im Griff. Immer wieder kam es hier zu einer grotesken Konfrontation von alter Kultur und reaktionärem Gegröle.
König Johann von seinem Denkmalsockel schaute betrübt und hilflos dem dumpfen Treiben zu.
Und jetzt: «Die Bühne ist ein freier Platz in hellem Licht.» Das steht als eine Art Regieanweisung ganz am Anfang von Peter Handkes «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten», das die Dresdner Bürgerbühne unter freiem Himmel aufführt. Wir sitzen auf Klappstühlen im Schatten der Oper und vor uns der Platz, der nun zur Bühne wird: Vereinzelt kommen Menschen aus verschiedenen Richtungen, queren das weite Feld. Sie sind zunächst nicht zu unterscheiden von den Touristen, die sich hier tummeln und die langsam verunsichert das Geschehen beobachten, das ...
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Bernd Noack
In diesem Jahr erschien endlich auf Deutsch Miroslav Krlezas Mammutroman «Die Fahnen», der auf über 3000 Seiten und am Beispiel Kroatiens minutiös und detailreich ein Panorama der geistesgeschichtlichen und politischen Situation Europas zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeichnet. Kurz und bündig ist die eben nicht zu erzählen, vor allem nicht, wenn es um die...
Was war denn nun das? Ein plumpes Plagiat oder eine ironische Hommage? Regisseur Hannes Weiler hat sich von Florian Dietrich im Regensburger Theater eine Bühne bauen lassen, die so aussieht wie ein Entwurf von Aleksander Denic für ärmere Verhältnisse: ein nicht ganz so wuchtiges gezimmertes Dreh-Ungetüm mit offenen und viel verborgenen Räumen, mit Türmchen und...
Hannah (Carlotta Freyer) hat verstanden, wie der Hase läuft. «Du denkst, du hörst die Nachrichten», erklärt sie, «aber was du hörst, ist ein Echo!» Wir sind gefangen in Filterblasen, in denen die eigene Meinung wieder und wieder bestätigt wird, bis wir glauben, eine allgemein gültige Position zu hören. Bühnenbildnerin Katja Eichbaum hat für diese Echokammer ein...
