Dea Loher Über die Berge gehen

Eine Erzählung

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Sie war zurückgekehrt in das Haus in den Bergen. Auf der Südseite hatte man das weite Panorama des Steinernen Meeres vor sich. An klaren Tagen konnte man die Spitze des Watzmannvaters erkennen.

Der Alte hatte sie vom Flughafen abgeholt und in seinem Jeep heraufgebracht. Sie mußte sich hinten auf die Ladefläche setzen, weil der Beifahrersitz herausmontiert war. Der Alte murmelte eine Entschuldigung; auf halber Fahrt, nach vorsichtigen Blicken in den Rückspiegel, sagte er plötzlich über die Schulter: «Man sieht es dir nicht an.» Er versuchte ein schüchternes Lachen.

 

Ihre Mutter war vor vier Jahren gestorben, seither hatte sie ihren Vater nur wenige Male gesehen, und ihr Verhältnis war noch sprachloser geworden. Obwohl es oft schien, als kümmerten sie sich nicht umeinander, liebten sie sich doch auf eine hartnäckige, widerstrebende Art, die durchzogen war von Schmerz. Als Karla eine Wohnung in Neapel bezogen hatte, in der es einen Kamin gab, war der Alte mit einer eigenhändig aus seinem Wald geschlagenen Ladung Holz über die Alpen bis in die laute Stadt gefahren, da es für ihn undenkbar war, daß seine Tochter sich gespaltenes Holz, abgefüllt von einem Fremden und womöglich in ...

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Theater heute März 2005
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Dea Loher

Vergriffen
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