All die guten

Lessing «Minna von Barnhelm»

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Das Ambiente erinnert ernüchternd und nur zart überhöht an die Räumlichkeiten, in denen nicht nur vielerorts beschäftigte Bühnenbildner (hier: Bettina Meyer) vermutlich ihre feudalen Nächte zu verbringen pflegen: In subtilem Braun und Kackgrün gemusterte Auslegeware zieht sich auch noch die halbhohen Wänden hoch, Furnierholz ummantelt die sittsam getrennten Bettstätten, die Minibar markiert das Zentrum und der sparsam verteilte türkise Farbakzent den Gipfel innovativer Inneneinrichtungskunst.

Im Foyer erfreuen eine Schuhputzmaschine, ein vollgerauchter Standaschenbecher, ein Zimmerfarn und drei Neonröhren; von dort geht es umstandslos auf den Parkplatz mit Müllcontainer. 

Was nur hat Minna, die sächsische Tochter aus gutem Hause mit Zofe und Louis-Vuitton-Gepäck, in diese Vertreter-Absteige für geschleifte Spesenkonten verschlagen? In Lessings 1767 vollendetem Lustspiel, in dem die «Ibis»-Herberge noch «Zum König von Spanien» heißt, ist sie auf der Suche nach ihrem Verlobten, dem Major von Tellheim, den es nach Ende des Siebenjährigen Krieges ins preußische Machtzentrum Berlin getrieben hat, um Rehabilitierung zu finden: Als Folge einer edlen Tat im Kriege, die ihm die Liebe des ...

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Theater heute März 2005
Rubrik: Chronik, Seite 37
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
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