Das Wachsen der Berge
Im Fernsehen spielt Friedrich Gulda Mozart. Er trägt ein buntes Hawaiihemd und hat eine Muslimkappe auf dem Kopf. Gulda könnte, denkt man, weil er im Fernsehen nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist, übertreiben. Der Gedanke kommt einem, weil andere klassische Klavierkünstler statt eines Hawaiihemdes meist ein weißes Hemd und einen schwarzen Anzug anhaben. Das Hawaiihemd und die Muslimkappe sehen da vergleichsweise übertrieben, zumindest ungewohnt aus, so, als wollte Gulda sich als Künstler stilisieren, also verkünsteln.
Sofort denkt man auch, wenn man so denkt, ob wohl auch sein Klavierspiel etwas Übertriebenes, Exaltiertes oder Manieriertes hat, und damit dem Mozart schaden könnte – und hört ganz genau hin. Da ist aber nichts. Sein Mozartspiel kommt leicht daher und witzig. Und Guldas Kleidung ist schon fast nicht mehr zu sehen. Weil sein Spiel eindeutig und damit aufmerksamkeitsdominant ist.
Natürlich könnte er noch ein bisschen feiner spielen – oder noch fulminanter. Solange er die Menage der Kunst im Blick behält, gibt es da keine Grenzen. Aber es scheint, dass das Äußerste an Gulda/Mozart erreicht ist. Vielleicht würde alles zusammenbrechen, wenn Gulda jetzt auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Lieber, lieber, sehr verehrter Frank Castorf, bitte machen Sie doch einmal in Ihrem Leben eine Inszenierung, die nicht über zweieinhalb Stunden dauert. Ich schwöre Ihnen: Es würde meine Lieblingsinszenierung des Jahrzehnts, mindestens, denn dass Sie eigentlich ein wunderbarer Regisseur sind, das ist Ihrem fünfstündigen «Hofmeister» von und nach J.M.R. Lenz im...
Sie war sehr klein. Sie war sehr groß. Sie war die Größte. Erna Baumbauer managte nur die Besten. Eine kleine, zierliche Frau, die sich auch von Regisseur Stephen Spielberg nichts sagen ließ, geschweige denn von irgendeinem Hollywood-Produzenten. Um ihre Schauspieler und Schauspielerinnen kämpfte sie wie eine Löwin. «Die Königin von Bayern», diesen liebevollen...
Dea-Loher-Rezipienten lassen sich pauschal in zwei Gruppen teilen. Die einen, nennen wir sie Realisten, finden nach der Lektüre oder dem Besuch ihrer Stücke: So ist das Leben. Spätestens unterm Strich sind wir schließlich alle Enttäuschte, Traumatisierte, Gekränkte, Versehrte, vom Schicksal Betrogene und irgendwann Tote, und Dea Lohers Dramatik verleiht dieser...
