Das Terrazzo- Mosaik
Einen «autobiografischen Roman» nennt Samuel Finzi «Samuels Buch», sein Buch, die Coming-of-Age-Geschichte eines der beliebtesten und meistbeschäftigten Theater- und Filmschauspieler im deutschsprachigen Raum. Vielleicht wäre «Terrazzo-Mosaik» ein noch besserer Untertitel gewesen.
Denn es ist der Terrazzo-Boden in seiner Berliner Küche, der ihn zum Terrazzo-Boden auf der Terrasse seiner Großeltern im bulgarischen Plovdiv führt und der zum Symbol wird für den Vorgang des
Erinnerns, in dem wie die Terrazzosteinchen alles seine «eigene Wichtigkeit hat, unabhängig von der Größe und Intensität der Farbe». Und so fügen sich in Finzis Puzzle Gerüche und Geräusche neben Ausflüge in die bulgarische Geschichte, Begegnungen und Anekdoten. Die Kinderfüße auf dem warmen Boden sind so wichtig wie der erste große Auftritt auf der Zugfahrt mit der Großmutter, wenn der fünfjährige Sancho den bulgarischen Staatschef Schiwkow und Breschnew, die sich auf allgegenwärtigen Pla -katen küssen, als furzende Raketen dreimal um die Erde fliegen lässt – keine ungefährliche Performance im sozialistischen Bulgarien. Er findet sich unglaublich komisch, keiner lacht.
Der Jungperformer ist das einzige Kind eines ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Barbara Burckhardt
Anna ist auf der Flucht, in doppelter Hinsicht: im «Herkunftsland» politisch verfolgt, am aktuellen «Aufenthaltsort» vom Ehemann gestalkt. «Wenn der mich findet», sagt Anna, «der macht mich tot.» Ronja wiederum, gerade achtzehn geworden, soll gegen ihren Willen heiraten – einen Cousin. Der innerfamiliäre Druck wird mit Erniedrigungsschrumpfsätzen à la «Wer will...
Es ist ein Spiel. Jason (David Kosel) hat zwei Minuten, um zu erraten, welche Gesten er ausführen, welche Gegenstände er benutzen muss, um den großen Preis, eine blaue Glitzer-Nietenjacke – auch bekannt als Goldenes Vlies – zu erhalten. An der Seite sitzt die Familie des Königs Aietes samt Medea (Kriemhild Hamann) im bereits blutbefleckten Shirt. Mit Klatschen...
Pläne der Redaktion
Sommerzeit, Festivalzeit: Neues aus Salzburg und Avignon, von Theater der Welt in Frankfurt/M., Kampnagel in Hamburg und dem Zürcher Theaterspektakel
Die ukrainische Autorin Natalia Vorozhbyt hat den Krieg in der Ukraine seit 2014 in ihren Stücken begleitet. Ihre Texte wurden in der Ukraine, Russland, Litauen, Polen, Großbritannien, Deutschland,...
