Das soziale Mobile
Mein aktuelles Lieblingsstück gefällt mir so gut, dass ich eigentlich gar nichts verraten möchte. Ich will versuchen, möglichst unzusammenhängende Information zu geben. Der Titel darf genannt werden. Er ist geheimnisvoller als der nebulöseste Kommentar sein kann: «The Ritual Slaughter of Gorge Mastromas». Es existiert noch keine offizielle Übersetzung davon. Der Autor, Dennis Kelly, sagt (soviel Indiskretion muss erlaubt sein): «No, it is Gorge, not George. And it’s not an English name. But I liked that it sounds
somehow european.
»
Es ist an verschiedenen Stellen schon darauf hingewiesen worden, dass Dennis Kellys ganz persönlicher Sport darin zu bestehen scheint, sich mit jedem Stück als Autor neu zu erfinden. Neuer Inhalt, neue Form, neue Mittel. Wer dergleichen auch hier wieder erwartet, soll nicht enttäuscht werden. Nun schreiben Autoren, die ein wenig arriviert sind, wenn sie dennoch Stückaufträge annehmen, gern etwas Handliches im Kammerspielformat: ein paar Figuren, ein Bühnenbild, luftiger Dialog. Die erste Überraschung, die «Gorge Mastromas» bereit hält, ist, dass das Stück eine epische Lebensgeschichte geradezu Balzacschen Zuschnittes erzählt: desillusionierter Realismus, ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 158
von Andreas Erdmann
Wenn ich einen Wutanfall kriege, dann gibt es meistens diesen einen, ganz lichten Moment, in dem mir klar wird, dass doch irgendwie alles mit allem zusammenhängen muss. Das ist der Augenblick, in dem der Anfall in einen Rundumschlag umkippt und ich von der Euphorie, eventuell am Weltgeist geschnuppert zu haben, schier übermannt werde. Dieser überkomplexe...
Das Bühnenbild des Jahres ist bereits verschrottet, nach der letzten Vorstellung beim Theatertreffen im Berliner Mai reiste das Ensemble von «Tod eines Handlungsreisenden» mit leichtem Gepäck zurück nach Zürich. Sehr zum Ärger von Robert Hunger-Bühler, der in diesem verschwenderischen Traum der fünfziger Jahre, wie ihn Stéphane Laimé für den Regisseur Stefan Pucher...
Was ist das für eine Justiz?», könnte man fragen, die eigentlich überzeugt ist von der Schuld einer Gruppe von Angeklagten, denen die vielfache Vergewaltigung und anschließende Ermordung eines fünfjährigen Jungen zur Last gelegt wird, und die doch die Waffen streckt und alle Beschuldigten freispricht, gegen ihre in der Urteilsbegründung geäußerte Überzeugung? «Was...
