Das soziale Mobile
Mein aktuelles Lieblingsstück gefällt mir so gut, dass ich eigentlich gar nichts verraten möchte. Ich will versuchen, möglichst unzusammenhängende Information zu geben. Der Titel darf genannt werden. Er ist geheimnisvoller als der nebulöseste Kommentar sein kann: «The Ritual Slaughter of Gorge Mastromas». Es existiert noch keine offizielle Übersetzung davon. Der Autor, Dennis Kelly, sagt (soviel Indiskretion muss erlaubt sein): «No, it is Gorge, not George. And it’s not an English name. But I liked that it sounds
somehow european.
»
Es ist an verschiedenen Stellen schon darauf hingewiesen worden, dass Dennis Kellys ganz persönlicher Sport darin zu bestehen scheint, sich mit jedem Stück als Autor neu zu erfinden. Neuer Inhalt, neue Form, neue Mittel. Wer dergleichen auch hier wieder erwartet, soll nicht enttäuscht werden. Nun schreiben Autoren, die ein wenig arriviert sind, wenn sie dennoch Stückaufträge annehmen, gern etwas Handliches im Kammerspielformat: ein paar Figuren, ein Bühnenbild, luftiger Dialog. Die erste Überraschung, die «Gorge Mastromas» bereit hält, ist, dass das Stück eine epische Lebensgeschichte geradezu Balzacschen Zuschnittes erzählt: desillusionierter Realismus, ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 158
von Andreas Erdmann
1. Wut
Muss man trennen von Zorn und Empörung. Zorn weiß sich legitim. Die Diskrepanz zwischen dem, was das Rechtsempfinden weiß, und der Realität des Rechts ist stabil. Wut ist dagegen trauriges Tasten und Tappen im Dunkeln auf der Suche nach Legitimität und einer dumpfen Ahnung von der Maßlosigkeit ihres Gegenübers. Empörung ist die Auffrischung eines älteren...
... ist fürs Schauspiel Köln und seine Intendantin Karin Beier die diesjährige Kritikerumfrage: Wie im letzten Jahr wird die Domstadt- bühne Theater des Jahres (7 Stimmen), und wie im letzten Jahr hat Karin Beier die Inszenierung des Jahres gemacht; 10 von 44 Kritikern jedenfalls fanden, dass Elfriede Jelineks Natur-versus-Mensch-Trilogie «Das Werk/Im Bus/Ein...
Wütend. Das ist ein Zustand, in den man oder frau gerät und sich dann darin befindet. Im Entstehen der Wut. «Da bin ich aber wütend geworden», erzählen wir und schauen so zustimmungsheischend um uns. Im Zustand des Wütend-Werdens fühlen wir uns berechtigt. Berechtigter. Der Vorgang des Wütend-Werdens erzählt uns selbst und denen, denen wir davon erzählen, davon,...
