Konferenz
So sieht der Neuanfang wohl eher selten aus – der Neue wird zunächst mal aufs Kreuz gelegt, nach allen Regeln der Kampf-Kunst. Klaus Figge, dieser letzte Mohikaner in allen Techniken und Tricks des virtuellen und wirklichen «Kämpfens» auf der Bühne, hat Harald Wolff, den gerade frisch gekürten neuen Vorsitzenden der Dramaturgischen Gesellschaft, mit festem Griff bei der Hand gepackt und auf die Bühnenbretter geschickt. So handfest begann die Abschluss-«Demonstration», mit der die Jahreskonferenz der Vereinigung auf der Ballhof-Bühne vom Schauspiel Hannover zu Ende ging.
Entspannter und amüsanter geht’s kaum. Schmerzhafter auch nicht.
Denn die angestellten Grüblerinnen und Grübler im Theaterbetrieb machten auf diese Weise eine Erfahrung, die sonst eher den Mitgliedern eines Ensembles vorbehalten bleibt: Was für erstaunlich alberne Positionen der eigene untrainierte Körper einnehmen kann auf der Bühne. Sinnigerweise hatte Figges furioses Finale auch noch sehr direkt mit dem Thema der Tagung zu tun: «Körper. Repräsentation. Interaktion. Differenz.» Denn tatsächlich hat die Grundausbildung durch den Kampftrainer auch von der Vorzeigbarkeit (der Repräsentation), der Interaktion (jeder ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Michael Laages
Das Schreiben, meinte Elfriede Jelinek vor über zehn Jahren einmal, nachdem sie den Literaturnobelpreis erhalten hatte, das Schreiben sei für sie Überleben. Sie werfe sich, indem sie schreibe, aus sich heraus: «Denn wenn ich mir meiner Identität bewusst werde, bin ich tot.» Das klingt ein wenig dramatisch und kunstlebensmäßig pompös, ist aber – wie fast alles, was...
Hinter der Rampe im kleinen weißen Kasten in der Box des Deutschen Theaters ein Abgrund, aus dem sich Hände recken, bevor sich drei Gestalten in Ganzkörper-Lederanzügen in abgestuften Brauntönen hochhangeln – das Unterirdische, jetzt kommt es nach oben.
Viel braucht András Dömötör nicht, um aus Alfred Jarrys 130 Jahre alter Despoten-Farce «König Ubu», entstanden aus...
Eine kompakte rote Fassade, die den Blick auf die Bühne verstellt, mit einer Tür, die – natürlich – verschlossen ist. «Eternal Russia» steht über dem Türsturz, «Ewiges Russland». Ein Mitarbeiter öffnet die Tür und bittet hinein ins Geheimnis der Russischen Revolution, deren Jubiläum das Berliner HAU mit dem Festival «Utopische Realitäten – 100 Jahre Gegenwart mit...
