Das Schicksal des Klassikers
Wer inszeniert eigentlich noch Heiner Müller? Die Frage lässt sich erschreckend klar beantworten: Im April plant Nuran David Calis in Stuttgart «Der Auftrag», spielplanlogisch die Fortsetzung von «Dantons Tod» aus der letzten Spielzeit, und im November hatte Dimiter Gotscheff Premiere von «Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten» im Deutschen Theater Berlin. Abgesehen von einer Wiederaufnahme von Gotscheffs Berliner «Hamletmaschine» aus dem Jahr 2007 in Frankfurt ist sonst nichts Neues los in Sachen Müller.
Gerade mal zweieinhalb Premieren in dieser Spielzeit, jedenfalls wenn es nach den akribisch durchgeblätterten Spielplanankündigungen von 172 öffentlich subventionierten Theatern von Aachen bis Zürich geht.
Woran mag das liegen? Wird da ein bedeutender Autor von unseren Theatern, vor denen doch sonst kein Roman- oder Filmsujet sicher ist, sträflich vernachlässigt? Wird der «wichtigste deutsche Dramatiker nach 1945», so Frank Castorf kürzlich in einem Gespräch mit der «Süddeutschen Zeitung», totgeschwiegen? Gibt es text- oder regieseits unentdeckte Schätze zu heben, die unsere Zeit wenn nicht er-, so doch wenigstens beleuchten könnten?
Man tut Heiner Müller ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Franz Wille
Der Anfang ist rauschhaft – aber schnell verflogen. In den Wolken hängt ein zierlicher Spiegel, die Kamera schwebt durch die Lüfte und senkt sich nach einem weiten Panorama-Schwenk auf eine Stadt am Meer und in gebirgigem Tal. Oder doch eher auf eine Fantasy-Landschaft von Mittelerde? Eingekuschelt in den Mutterboden wie – Referenz an F.W. Murnau – in den...
Aachen, Grenzlandtheater
27. Wainwright, Das Verhör (U)
R. Anja Junski
Aachen, Theater
5. Heckmanns, Hier kommen wir nicht
lebendig raus. Versuch einer Heldin
R. Roland Hüve
7. Lausund, Konfetti! Ein Zauberabend
für politisch Verwirrte
R. Martin Kloepfer
14. Molière, Tartuffe
R. Christina Rast
Baden-Baden, Theater
13. Kannstein, Das Phantom des Louvre
R. Thomas Höhne
Basel,...
Eine schmucke kleine Hochzeitsgesellschaft, vielleicht irgendwo auf dem Balkan, wo das legendäre Illyrien liegen soll, vielleicht auch bloß beim Griechen in Bochum-Stiepel. Die Braut trägt Weiß, der Vater des Bräutigams packt langen Unsinn in eine kurze Rede, der Kellner ist nervös, der Bräutigam gibt sich Mühe, nett zu sein. Bis dahin ist alles korrekt (abgesehen...
