Oh, le Bordell

Genet «Der Balkon», Shakespeare «Maß für Maß» am Kammertheater Stuttgart

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Lässt die französische Hausfrau ihrem Unmut freien Lauf, wissen die Kinder, dass sie sofort ihr Zimmer aufräumen müssen. Immerhin hat die Mama mit ihrem «Oh, le bordell» einen Zustand der größtmöglichen Unordnung markiert, den sie nicht mehr länger zu dulden gewillt ist.

In etwa so ist es auch in Shakespeares «Maß für Maß» und Jean Genets «Der Balkon», die jetzt in kurzem Abstand am Stuttgarter Staatsschauspiel Premiere hatten. In beiden Fällen geht es um ein Gemeinwesen im Zustand der Auflösung. Die Ordnung im Staat ist bedroht, der Souverän will hart durchgreifen.

Shakespeare verlegt seine philosophische Komödie über die moralische Grundlage des gerechten Regierens nach Wien und macht aus der Donaumetropole ein großes Freudenhaus, während Genet seine Groteske der Maskierungen gleich in einem Bordell spielen und vor den Türen des Etablissements einen Aufstand toben lässt. Thomas Dannemann verzichtet auf diese ephemere Begleitmusik als Anspielung auf den arabischen Frühling, die das Stück zur Zeit so beliebt macht, und konzentriert sich ganz auf die Rollenspiele und Mechanismen der Machtausübung in Madame Irmas Haus der Illusionen.

Zusammen mit der Bühnenbildnerin Cary Gayler hat ...

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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Jürgen Berger

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