Der Exzess kommt aus dem Norden...

... und sieht doch sehr verschieden aus: Langzeittheaterbesuche bei «John Gabriel Borkman» von Vegard Vinge und Ida Müller, «12 Karamasows» von Kristian Smeds und Nya Rampens «Worship!» in der Berliner Volksbühne

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Erhart Borkman schlägt die Zeit tot. Er dribbelt mit dem Basketball. Trinkt Cola und mampft Chips. Liest ein Spiderman-Comic. Kichert am Laptop. Liegt auf dem Bett und stiert an die Decke. Hindert an der Playstation eine rote Kugel daran, rechts oder links gegen die Bildschirmkante zu stoßen. Holt sich, belauscht von seiner Tante, mit Blick auf ein paar H&M-Wäschemodels einen runter. Theoretisch also total artgerechtes Teenagerverhalten.

Hier, im Theaterexzess «John Gabriel Borkman», den das deutsch-norwegische Regiepaar Ida Müller und Vegard Vinge nächtelang in der Volksbühnendependance Prater durchexerziert, allerdings so radikal künstlich, dass einem dabei Hören und Sehen vergeht.

Offengestanden: Zu diesem Zeitpunkt, näm­lich rund drei Stunden nach Beginn der Per­formance, ist uns schon mehrfach Hören und Sehen vergangen. Unter anderem haben wir einem Eisbär beim schmatzenden Ausweiden einer menschlichen Leiche zugesehen, in tosender Lautstärke die «Tannhäuser»-Ouver­türe gehört, der ausführlichen Hinrichtung von vier nackten Gestalten mit Hilfe einer Papp-Pistole und mehreren Tuben Theaterblut beigewohnt und eine akrobatische Meisterleistung bestaunt: Erharts böses Alter Ego, ...

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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Eva Behrendt

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