Das Salzach-Modell
Als das Corona-Virus im Frühjahr den Großteil des sozialen und kulturellen Lebens lahmlegte, wurden nicht nur die Theater und Konzertsäle geschlossen, auch die großen Festivals wurden reihenweise abgesagt. Theatertreffen, Wiener Festwochen, Mülheim, Avignon, Cannes, Bregenz, Bayreuth, Ruhrtriennale – alles gecancelt. Alles? Nein, ausgerechnet die Salzburger Festspiele, einer der größten Festivaltanker überhaupt, blieben standhaft. Deshalb nutzten sie zuerst ihren relativ späten Termin – planmäßig hätten sie am 18. Juli beginnen sollen –, um auf Zeit zu spielen.
Während ein Festival nach dem anderen die Nerven verlor, blieben die Salzburger so gelassen, dass es fast schon nach Realitätsverweigerung aussah. Absagen? Abwarten!
Und siehe da: Ende Mai wurden die Schutzmaßnahmen in Österreich so weit gelockert, dass die Festspiele möglich wurden – unter strengen Auflagen und in reduzierter Form zwar, aber immerhin. Das Festival wurde um zwei Wochen verkürzt, von den ursprünglich geplanten 222 Aufführungen und Konzerten blieben 110 übrig, anstelle von 230.000 Tickets konnten nur noch 80.000 angeboten werden. Ausgefallen waren die Festspiele seit ihrer Gründung nur 1924 (da waren sie ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Wolfgang Kralicek
The Show Must Not Go On»: Was Tim Etchells am Ufer des Zürichsees als Leuchtschrift auf ein schwindelerregendes Gerüst montiert hat, ist Programm im diesjährigen «Speki»: So tun als ob, geht nicht. Einfach eine Schrumpflösung des geplanten Pro- gramms wäre nicht umzusetzen gewesen. Das Zürcher Theaterspektakel ist gewöhnlich die Quintessenz der...
Das Ende der Serie
Text für eine oder mehrere F
PROLOG
Da sind Sie wohl zu spät gekommen:
Das Bett ist leer, die Mutter tot.
Sie liegt erkaltet schon im Keller,
doch vielleicht klebt sie noch hier,
da oben an der Decke maybe –
sie starb heut Morgen gegen vier.
Sie hat sehr grauenhaft gelitten,
so einsam, kalt, verlassen hier,
sie hat nach Ihnen noch gerufen –
der...
Es ist Sommer. Es ist Pandemie. Das Theater menschenleer. «Es wird nie wieder so sein wie früher», orakelt einem die strenge Stimme in die Ohren, während man sich, mit ipod und Kopfhörern ausgerüstet, auf eine interaktive Reise durchs Stuttgarter Schauspielhaus begibt – je eine Person im 5-Minuten-Abstand. Der Regisseur Stefan Kaegi vom Theaterkollektiv Rimini...
