Das Salzach-Modell

100 Jahre nach ihrer Gründung trotzen die Salzburger Festspiele der Pandemie. Im Schauspielprogramm überleben Milo Raus «Everywoman» und Peter Handkes «Zdenek Adamec»

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Als das Corona-Virus im Frühjahr den Großteil des sozialen und kulturellen Lebens lahmlegte, wurden nicht nur die Theater und Konzertsäle geschlossen, auch die großen Festivals wurden reihenweise abgesagt. Theatertreffen, Wiener Festwochen, Mülheim, Avignon, Cannes, Bregenz, Bayreuth, Ruhrtriennale – alles gecancelt. Alles? Nein, ausgerechnet die Salzburger Festspiele, einer der größten Festivaltanker überhaupt, blieben standhaft. Deshalb nutzten sie zuerst ihren relativ späten Termin – planmäßig hätten sie am 18. Juli beginnen sollen –, um auf Zeit zu spielen.

Während ein Festival nach dem anderen die Nerven verlor, blieben die Salzburger so gelassen, dass es fast schon nach Realitätsverweigerung aussah. Absagen? Abwarten!

Und siehe da: Ende Mai wurden die Schutzmaßnahmen in Österreich so weit gelockert, dass die Festspiele möglich wurden – unter strengen Auflagen und in reduzierter Form zwar, aber immerhin. Das Festival wurde um zwei Wochen verkürzt, von den ursprünglich geplanten 222 Aufführungen und Konzerten blieben 110 übrig, anstelle von 230.000 Tickets konnten nur noch 80.000 angeboten werden. Ausgefallen waren die Festspiele seit ihrer Gründung nur 1924 (da waren sie ...

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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Wolfgang Kralicek

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