Empört euch!
Take that, Corona! Martin Kušej mag es zwar nicht, wenn man das Burgtheater verkürzt «die Burg» nennt, wie es die Wienerinnen und Wiener gern liebevoll tun, aber eine unwirtliche Festung war seine Eröffnungspremiere trotzdem. Burg passt eigentlich perfekt zu Kušejs martialischen Inszenierungen. Stattliche dreieinhalb Stunden inklusive Pause dauerte seine gewohnt düstere Version von Calderóns barockem Versdrama «Das Leben ein Traum».
Wo andere aufgrund der Pandemie kürzen, zerdehnt Kušej den Abend trotzig mit zahllosen Auf- und Abblenden, begleitet von bedrohlich wabernden Klängen von Bert Wrede. Erzählt wird die Geschichte des polnischen Königssohns Sigismund, der im Kerker dahinvegetiert, weggesperrt wegen einer Prophezeiung, er würde Tyrannei und Verderben über den Staat bringen. Philosophische Fragen nach Schicksal und freiem Willen werden verhandelt. Eine Männergesellschaft kämpft mit allen Mitteln um ihren Machterhalt und folgt dabei einem verknöcherten Begriff von Ehre und Autoritätsgläubigkeit. Kurzum: ein Stoff, wie gemacht für Kušej.
Schwarze Ziegel
Nachdem er den großen Auftakt zu seiner Intendanz im Vorjahr an Ulrich Rasche mit den «Persern» abgetreten hatte, gibt nun ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Karin Cerny
Aufführungen
Gleich nach der Corona-Pause kündigen sich große Staatsdramen an: Am Deutschen Theater Berlin zelebriert Anne Lenk Schillers Königinnen-Clash zwischen Maria Stuart und Elisabeth – Franziska Machens gegen Julia Windischbauer! Im Hamburger Schauspielhaus breitet Karin Henkel die jugendliche Vorgeschichte von Shakespeares Richard III. aus: «Richard the...
Gutes Theater ist wunderbar», schreiben die «CyberRäuber» Björn Lengers und Marcel Karnapke auf ihrer Homepage. «Aber die Zeiten des Theaters als bürgerliches Leitmedium sind vorbei.» Dass die «Mission» der CyberRäuber ausgerechnet im Deutschen Theater Berlin uneingeschränkt Zustimmung findet, darf man bezweifeln. Doch für die diesjährige, Corona-bedingt im...
Lacht nicht über mich, ich bin ein alberner und altersschwacher Mann» – und keiner lacht. Lears Weg von Amtsmüdigkeit zu Altersstarrsinn zu Kontrollverlust, Gedächtnisschwund und Identitätsaufweichung ist dem Publikum ein bekannter Weg. Johan Simons schickt in seiner Bochumer Inszenierung den König Lear vorweg schon auf die Bühne mit der Bitte um Nachsicht.
Aber...
