Das Private und das Politische
Nostalgie hat Konjunktur, gerade in rechten Kreisen. Die Sehnsucht nach der vermeintlich guten alten Zeit, als die Verhältnisse noch übersichtlicher, die Familien intakt, die Ordnung stabil, die Identitätspolitik noch unbekannt, Gendern kein Thema und die Kommata noch da gesetzt wurden, wo sie vor 100 Jahren gesetzt wurden, zieht sich durch alle Schichten und Milieus.
Die komplexen gesellschaftspolitischen und sozialen Entwicklungen spätestens seit Wiedervereinigung, Globalisierung, Finanzkrise, sogenannter Flüchtlingskrise überfordern viele in ihren Werten und Identitäten – ob materiell, sozial oder intellektuell.
Vor diesem Zeithintergrund hat Christian Kracht seinen neuesten Roman geschrieben, der Abwertung schon im Titel trägt – «Eurotrash». Der Müll des Kontinents konzentriert sich in diesem Fall aber doch stark auf die Schweiz, auch wenn dabei viel braune Soße aus Deutschland hinübergekippt ist. Sein Ich-Erzähler Christian hat einiges an Nachkriegs-Zivilisationsschutt abbekommen. Luxuriös aufgewachsen im mondänen Karriereaufwind der Eltern, die ihre Nazi-Familiengeschichte bruchlos und hocherfolgreich in der alten Bundesrepublik fortsetzen konnten und dafür den Preis ...
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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Franz Wille
6./DONNERSTAG 20.15, arte: Feuchtgebiete
Spielfilm (Deutschland 2013) nach dem Buch von Charlotte Roche von David F. Wnendt, mit Carla Juri, Axel Milberg, Meret Becker, Christoph Letkowski u.a.
15./SAMSTAG 20.15, ORF: König Ottokars Glück und Ende
Trauerspiel in fünf Aufzügen von Franz Grillparzer, Wiener Burgtheater, März 2006. Inszenierung von Martin Kusej, mit...
Irgendwann landet Marianne, eines der vielen «süßen Wiener Mädels» des abgründigen österreichisch-ungarischen Dramatikers Ödön von Horváth, die keinen Platz im Leben finden, nackt als Tableau vivant in einem Varieté. Meist wird das eindeutig erotisch gedeutet. Johan Simons und sein Ensemble legen diese Szene aus «Geschichten aus dem Wiener Wald» im Burgtheater...
Martin Kraemer lernte ich Mitte der 1980er kennen. Er studierte Industrie-Design an der Berliner HdK. Seine Diplomarbeit war ein appartmentgerechter, freistehender Mini-Küchenblock für Singles, von allen Seiten nutzbar mit unzähligen Schubladen, rausziehbaren Arbeitsflächen und vielen winzigen Stauräumen. Klein, aber perfekt. Eine Idee mit Zukunft. Er liebte bis...
