Das Manifest des Kritikers
Hört her! Der Theaterkritiker hat ein Manifest geschrieben. Und was für eins. Es strotzt nur so von altbackenen Phrasen, von Unterstellungen und Bezügen, die mit unserer Zeit und dem Theater, das in ihr stattfindet, kaum noch etwas zu tun haben. Der Kritiker beklagt, dass das deutsche Theater an Gefühlsarmut, an arroganten und verblödeten Regisseuren und entmündigten Schauspielern kranke. Es erzähle keine Geschichten, sondern trage nur Ideologien vor sich her. Es sei schlicht auf den Hund gekommen.
Manifeste schreiben für gewöhnlich Künstler, das politische Manifest mal beiseite gelassen, zumindest war das mal so, bis in die sechziger, siebziger Jahre hinein. Noch früher gab es die Futuristen und Surrealisten, die Dadaisten und dann die Situationisten, in deren Umfeld später zornige und lustige Künstlergruppen wie «Die Spur» die bayerische Gaudi zum durchaus ernst gemeinten Leitfaden ihrer politischen und ästhetischen Provokationen machten. Es ging immer darum, hinter sich die Getreuen zu versammeln und auf einen einheitlichen Stil, eine gemeinsame Haltung, einen hassenswerten Feind einzustimmen. In den letzten Jahren und Jahrzehnten jedoch ist es rar geworden um die Gattung des ...
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Wir waren schlecht, würde ich sagen. zumindest an jenem freitag abend im november. wenig wurde aus ihm gemacht von unserer seite. ein braves publikum, das eher eindimensionalen vorstellungen von wissensvermittlung folgte. ein braves publikum, das dem vermeintlichen expertenwissen zu folgen schien, wohin es einen auch führte. wenig widerspruch. wenig...
Wenn Freunde und Weggefährten sich an ihn erinnern, dann sprechen sie voller Zärtlichkeit von einem Wüstling. Von einem, so klingt das manchmal, der längst verloren war, bevor sie ihn verloren haben. Der rabiat mit sich und mit anderen umsprang und dabei höchst empfindsam – und empfindlich – war.
Mit Dieter Roth, dem 1998 verstorbenen vielseitigen Künstler,...
Hilfe, dieser Film macht sentimental! Selbst wenn das Living Theatre im eigenen Mythenhaushalt kaum eine Rolle spielt, selbst wenn man wie der Regisseur Christoph Schlingensief im DVD-Bonusmaterial fest davon überzeugt ist, es sei «totaler Blödsinn» zu glauben, ein Theaterstück könne politisch etwas bewirken: Dirk Szuszies Dokumentarfilm «Resist» rührt empfindlich...
