Nicht Film, nicht Fleisch

Das Publikum fehlt bei den Münchner Onlinetheater-Versuchen, ob bei Lothar Kittsteins «Gespenster – Erika, Klaus und der Zauberer», Lot Vekemans’ «Niemand wartet auf dich» oder bei Einar Schleefs «14 Vorhänge» am Staatstheater Augsburg

Noch länger Lockdown und kein Ende! Es heißt also weiter nach Umund Auswegen zu suchen und der zwangsläufig medialen Vermittlung ein möglichst unverwechselbares – vielleicht sogar auf neue Weise unmittelbares? – Theatererlebnis abzutrotzen. Die Kammerspiele und das Kollektiv RAUM + ZEIT um Regisseur Bernhard Mikeska und Autor Lothar Kittstein, sonst ausgewiesene Experten intimster Nähe in inszenierten Eins-zu-eins-Konstellationen, haben sich mit ihrer Produktion «Gespenster – Erika, Klaus und der Zauberer» zu einem elaborierten Livestream-Experiment entschlossen.

Das Residenztheater lädt jeweils 20 Teilnehmer*innen ins Zoom-Kabinett zu «Niemand wartet auf dich», so der Titel von drei Frauenporträts der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans, die Juliane Köhler in der Inszenierung von Daniela Kranz jeweils live performt. Beide Projekte sind keine reinen Online-Formate, sondern hoffen auf Wiederaufführung vor realem Publikum. Ganz auf den Weg der Aufzeichnung mit einer 360°-Kamera begibt sich das Staatstheater Augsburg und lässt den Kurztext «14 Vorhänge» von Einar Schleef im Schutt und Staub einer Theaterbaustelle so etwas wie eine Geisteruraufführung erleben.

Wie um die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 50
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Mord im Burgfrieden

Ob wir uns in einem neuen Biedermeier befinden, sei einmal dahingestellt. Immerhin sprechen Soziologen und Psychologen davon, dass der Rückzug in die eigenen vier Wände, zu dem gerade viele Menschen aus Angst vor Ansteckung mit dem Virus und überhaupt aus Furcht vor dem Nächsten als potenziellem Gefahrenträger neigen, an die Mitte des 19. Jahrhunderts erinnert: Der...

Bücher: Der westliche Blick

Das Buch «Spiel-Zeiten und Spiel-Räume des Theaters in Europas Osten» von Wolfgang Kröplin, der in Dresden und Leipzig als Dramaturg und Dozent für Dramaturgie und Kulturwissenschaften tätig war, erhebt den Anspruch einer Suche nach Spuren des im Westen nur wenig bekannten Theaters im Osten. Im Ergebnis ist es aber eine Spurensicherung des modernen revolutionären...

Theater im Vakuum

Die Prozesse gegen Künstler*innen, Debatten über Kunst und Politik laufen in Russland weiter – außerhalb von Moskau. 

Die feministische Punkrock-Band Pussy Riot fordert in ihrem neuen Protest-Track «Rage» (russisch «БЕСИТ») die Freilassung aller politischen Gefangenen. Unter ihnen ist auch Yulia Tsvetkova, Regisseurin, Künstlerin, Feministin und LGBTIQ+Aktivistin...