Nicht Film, nicht Fleisch
Noch länger Lockdown und kein Ende! Es heißt also weiter nach Umund Auswegen zu suchen und der zwangsläufig medialen Vermittlung ein möglichst unverwechselbares – vielleicht sogar auf neue Weise unmittelbares? – Theatererlebnis abzutrotzen. Die Kammerspiele und das Kollektiv RAUM + ZEIT um Regisseur Bernhard Mikeska und Autor Lothar Kittstein, sonst ausgewiesene Experten intimster Nähe in inszenierten Eins-zu-eins-Konstellationen, haben sich mit ihrer Produktion «Gespenster – Erika, Klaus und der Zauberer» zu einem elaborierten Livestream-Experiment entschlossen.
Das Residenztheater lädt jeweils 20 Teilnehmer*innen ins Zoom-Kabinett zu «Niemand wartet auf dich», so der Titel von drei Frauenporträts der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans, die Juliane Köhler in der Inszenierung von Daniela Kranz jeweils live performt. Beide Projekte sind keine reinen Online-Formate, sondern hoffen auf Wiederaufführung vor realem Publikum. Ganz auf den Weg der Aufzeichnung mit einer 360°-Kamera begibt sich das Staatstheater Augsburg und lässt den Kurztext «14 Vorhänge» von Einar Schleef im Schutt und Staub einer Theaterbaustelle so etwas wie eine Geisteruraufführung erleben.
Wie um die ...
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Theater heute April 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 50
von Silvia Stammen
Barbara Burckhardt Niels Bormann, die Frage, die jetzt jeder stellt: Wie geht es Ihnen unter Corona-Verschluss, insbesondere als Schauspieler?
Niels Bormann (zögert lange) Ich muss sagen, mir geht es gar nicht so schlecht. Ich konnte in dieser Zeit drehen und an der UdK mit den Studierenden immerhin Vorsprechmonologe erarbeiten. Das mache ich schon seit sieben,...
Anfang Februar diesen Jahres reichte der Intendant des Nationaltheaters Athen, Dimitris Lignadis, beim Kultusministerium seinen Rücktritt ein mit der Begründung, er selbst habe nichts Falsches getan, er wolle mit diesem Schritt nur weiteren Schaden vom Nationaltheater abwenden. Zwei Wochen später wurde Dimitris Lignadis verhaftet und in Handschellen abgeführt....
Ertappt. Nach über 200 Seiten, die sich angenehm lesen, weil die Autor*innen so oft recht haben, so menschenfreundlich sind und so reflektiert, platziert der Dramatiker Jörg Albrecht einen kleinen fiesen Treffer direkt in die Magengrube. Genauer: dorthin, wo das schlechte Gewissen wohnt. In seinem Beitrag, der den Band «Lernen aus dem Lockdown? Nachdenken über...
