Nicht Film, nicht Fleisch
Noch länger Lockdown und kein Ende! Es heißt also weiter nach Umund Auswegen zu suchen und der zwangsläufig medialen Vermittlung ein möglichst unverwechselbares – vielleicht sogar auf neue Weise unmittelbares? – Theatererlebnis abzutrotzen. Die Kammerspiele und das Kollektiv RAUM + ZEIT um Regisseur Bernhard Mikeska und Autor Lothar Kittstein, sonst ausgewiesene Experten intimster Nähe in inszenierten Eins-zu-eins-Konstellationen, haben sich mit ihrer Produktion «Gespenster – Erika, Klaus und der Zauberer» zu einem elaborierten Livestream-Experiment entschlossen.
Das Residenztheater lädt jeweils 20 Teilnehmer*innen ins Zoom-Kabinett zu «Niemand wartet auf dich», so der Titel von drei Frauenporträts der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans, die Juliane Köhler in der Inszenierung von Daniela Kranz jeweils live performt. Beide Projekte sind keine reinen Online-Formate, sondern hoffen auf Wiederaufführung vor realem Publikum. Ganz auf den Weg der Aufzeichnung mit einer 360°-Kamera begibt sich das Staatstheater Augsburg und lässt den Kurztext «14 Vorhänge» von Einar Schleef im Schutt und Staub einer Theaterbaustelle so etwas wie eine Geisteruraufführung erleben.
Wie um die ...
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Theater heute April 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 50
von Silvia Stammen
Quietschgelbes, unscharfes Bildwabern. Ein junger Mann hängt sichtlich gereizt bis reichlich hysterisch in einer Hängelampe und scheint zu telefonieren. Bald wird es ihm dort oben zu unbequem, und er wälzt sich auf dem ebenfalls badeentengelben Boden. Dann verstellt er seine Stimme, wickelt sich in eine Decke, die ihm offenbar zur Zwangsjacke wird, spricht sich die...
Vor 15 Monaten ist die Welt untergegangen. Was genau passiert ist, wissen wir nicht. Jedenfalls sind damals sämtliche Kontinentalplatten miteinander kollidiert, wodurch fast alles Leben auf der Erde ausgelöscht wurde. Nur Teile der eurasischen Platte blieben erhalten; hier gab es auch Überlebende, darunter eine Gruppe von Anthropologen, die zum Zeitpunkt der...
In Bochum gibt es das Bermuda-Dreieck. Das ist eine ballermannähnliche Kneipenmeile zwischen Bahnhof und Schauspielhaus – jetzt in Corona-Zeiten eher desolat und leer. Ein paar hundert Meter weiter hat man eher das gegenteilige Problem, nämlich zu viel: Inszenierungen, die wie ein hartnäckiger Ballast in den Köpfen aller Beteiligten herumschwirren, die nicht...
