Bereit für den Tag X

Viele Theater proben im Lockdown weiter, ohne zu wissen, wann sie ihre Premieren werden zeigen können. Das Wort vom Premierenstau macht die Runde

In Bochum gibt es das Bermuda-Dreieck. Das ist eine ballermannähnliche Kneipenmeile zwischen Bahnhof und Schauspielhaus – jetzt in Corona-Zeiten eher desolat und leer. Ein paar hundert Meter weiter hat man eher das gegenteilige Problem, nämlich zu viel: Inszenierungen, die wie ein hartnäckiger Ballast in den Köpfen aller Beteiligten herumschwirren, die nicht gezeigt werden können, weil die Bühnen geschlossen sind. Acht bühnenfertige Arbeiten hat das Schauspiel jetzt schon und muss die Premieren notgedrungen vor sich herschieben. Und es wird weiter geprobt.

 

In den Theatern geht ein Schreckgespenst um, der «Premierenstau». Nicht nur für Oliver Reese vom Berliner Ensemble längst das «Kultur-Unwort des Jahres», weil den stillgelegten Häusern unterstellt werde, sie würden weiterarbeiten, als wäre alles normal. Für seinen Kollegen Ulrich Khuon vom Deutschen Theater klingt es gar nach «Vorverurteilung», denn es verstärke «eine Negativität, die sowieso im Raum steht, weil es die Sehnsucht derer, die Nachdenken und Handeln miteinander verbinden wollen, diskreditiert». 

Gerade wird in Bochum «Baroque» geprobt, eine bunte Zeit- und Sinn-Collage, die die belgische Regisseurin Lies Pauwels ...

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Theater heute April 2021
Rubrik: Szene Corona, Seite 14
von Bernd Noack

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